Kristalina Georgiewa, die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), hält den Pessimismus in der Europäischen Union für fehlgeleitet. Sie verweist darauf, dass laut einer Analyse des Economist sieben der zehn weltweit leistungsstärksten Volkswirtschaften des Jahres 2025 aus der EU stammten – wobei Portugal den Spitzenplatz belegte.
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In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Politico mahnt Georgiewa die Europäer zu mehr Stolz auf die eigenen Leistungen. Während man in den USA bereits marginale Erfolge als fantastisch verkaufe, neigten Europäer dazu, grossartige Errungenschaften als «nicht schlecht» abzutun.
In der heutigen multipolaren Welt sei es jedoch unerlässlich, Vertrauen auszustrahlen und Erfolge aktiv zu benennen, so Georgiewa. Die Tatsache, dass ehemalige Krisenstaaten wie Irland, Portugal und Griechenland heute an der Spitze stehen, wertet sie als Beweis dafür, dass wirtschaftliche Kurskorrekturen möglich sind.
Trotz der positiven Zahlen sieht die IWF-Chefin keinen Anlass zur Selbstzufriedenheit. Sie stützt die Reformforderungen des ehemaligen EZB-Chefs Mario Draghi, der vor einer «langsamen Agonie» des Blocks gewarnt hatte. Zu den dringlichsten Aufgaben zählt sie die Stärkung des Binnenmarktes, den Abbau von Bürokratie sowie die Integration der fragmentierten Energie- und Finanzsysteme. Europa müsse «sein Haus in Ordnung bringen», um in einer Ära geopolitischer Machtkämpfe bestehen zu können.