Jahr für Jahr wiederholt sich das Spektakel – und die Debatte: Wenn in Deutschland das neue Jahr beginnt, verwandeln sich Strassen in Berlin, Duisburg oder Essen in infernalische Schlachtfelder. Raketen, Kugelbomben und Böller sorgen für stundenlangen Ausnahmezustand – für Pyromanen ein Fest, für Rettungskräfte ein Albtraum. Das Magazin The Economist vergleicht die Situation in deutschen Städten, die «wie Kriegsgebiete wirken».
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Allein zum Jahreswechsel 2024 wurden in Berlin über 360 Menschen verletzt, Hunderte Brände gemeldet, ein Wohnblock mit 36 Wohnungen evakuiert. Ein palästinensischer Influencer wurde verhaftet, nachdem er eine Rakete in ein Kinderzimmer feuerte – und sich dabei filmte. Die Polizei war vielerorts überfordert. Tiere flüchteten, Familien blieben zu Hause, Luft und Strassen waren am Neujahrsmorgen mit Feinstaub und Müll übersät.
Während Feuerwerkskörper an 362 Tagen im Jahr verboten sind, ist der Verkauf an den letzten drei Tagen des Jahres erlaubt – bisher ein Tabu, das viele Politiker nicht anzurühren wagen. Doch Umfragen zeigen: Eine Mehrheit der Deutschen hätte nichts dagegen, Silvesterböller ganz zu verbieten.