Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Durch die Strasse von Hormus wird kein Schiff mehr kommen: Was bedeutet das für die Schweiz? Und für Deutschland?

Anhören ( 2 min ) 1.0× +
Durch die Strasse von Hormus wird kein Schiff mehr kommen: Was bedeutet das für die Schweiz? Und für Deutschland?
Durch die Strasse von Hormus wird kein Schiff mehr kommen: Was bedeutet das für die Schweiz? Und für Deutschland?
0:00 -0:00
1.0×
100%
Mehr ▾

Das letzte Schiff ist unterwegs. Die «Maetiga» schiebt sich, beladen mit Kerosin aus Saudi-Arabien, durch die Wellen Richtung Grossbritannien. Ankunft diese Woche. Danach: nichts.

Kein zweiter Tanker, kein dritter, kein vierter. Die Bildschirme der Datenfirmen Kpler und Vortexa zeigen eine Leere, die in dieser Branche bisher keiner erlebt hat. Früher waren es im Schnitt acht Lieferungen gleichzeitig. Aktuell ist es eine. Und bald ist es keine mehr.

Olivier Hoslet/EPA/Keystone
Containerschiff verlässt den Hafen von Antwerpen (Symbolbild)
Olivier Hoslet/EPA/Keystone

Die Strasse von Hormus ist keine Strasse, sondern ein Nadelöhr unter Dauerfeuer. Normalerweise fliessen hier, gebunkert in Tankern, rund zwanzig Millionen Barrel Öl pro Tag hindurch. Jetzt fliesst Misstrauen, und es hagelt Raketen. Europa verliert damit auf einen Schlag rund 300.000 Barrel Kerosin täglich. Die Importe sind von über 600.000 Tonnen die Woche auf gut 250.000 gefallen. Ein halber Markt ist einfach verschwunden, als hätte jemand den Stecker gezogen.

Während in London noch beschwichtigt wird, rechnet die Branche längst anders. Flugbenzin kostet in Nordwesteuropa inzwischen mehr als 1700 Dollar pro Tonne, etwa doppelt so viel wie vor dem Krieg. Das ist keine Preisanpassung, das ist ein Schock. Wer jetzt glaubt, Deutschland und die Schweiz seien fein raus, verwechselt Geografie mit Realität.

Deutschland hängt am Tropf von Rotterdam und Antwerpen. Was dort nicht ankommt, kommt auch nicht den Rhein hinauf. Die Schweiz wiederum hängt an Deutschland, Frankreich und den Niederlanden wie ein Patient am Infusionsständer.

Offiziell ist Europa weniger abhängig vom Nahen Osten, heisst es. In den Statistiken sieht das ordentlich aus. In der Praxis jedoch kommt ein erheblicher Teil der Produkte weiterhin von dort, nur über Umwege: Indien raffiniert Golföl und verkauft es weiter nach Europa. Man hat die Abhängigkeit nicht beendet, man hat sie nur besser verpackt.

Der Markt reagiert, wie Märkte reagieren: opportunistisch. Ladungen werden umgeleitet und sind länger unterwegs, Verträge werden neu verhandelt. Wer mehr zahlt, bekommt den Zuschlag. Europa kann das noch. Aber selbst optimistische Analysten sagen inzwischen offen, dass die Ersatzlieferungen aus den USA und Westafrika nicht reichen werden, um die Lücke vollständig zu schliessen. Das System wird nervös.

Für Autofahrer bedeutet das vorerst keine leeren Zapfsäulen, sondern schleichend steigende Preise. Für Airlines ist es heikler. Wenn die Lieferungen ausbleiben, wird aus der Ferienplanung von Urlaubern schnell eine Rechenaufgabe und aus dem günstigen Ticket ein Luxusgut, das sich keiner mehr leisten kann.

Die eigentliche Pointe liegt woanders: Europa hat sich mit grossem moralischem Aufwand von russischem Öl verabschiedet und steht nun da wie ein Patient, der die Infusion gewechselt hat, aber nicht die Krankheit. Es bleibt dieses Bild: ein Tanker, der noch fährt. Einer. Danach beginnt das grosse Improvisieren.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 31.03.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.