Die Israelischen Streitkräfte IDF haben kürzlich mehr als hundert hochrangige Militärvertreter aus fast zwanzig Ländern zu einem fünftägigen Programm empfangen und gezeigt, was sie aus zwei Jahren Mehrfrontenkrieg gelernt haben.
Vertreten waren unter anderem: Deutschland, die USA, Kanada, Finnland, Frankreich, Indien, Griechenland, Zypern, Tschechien, Ungarn, Polen, Österreich, Estland, Japan, Marokko, Rumänien, Serbien und die Slowakei. Sie wollten von israelischen Offizieren hören und lernen, was sie im Gefecht im urbanen Gelände gelernt haben.
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Die Themen waren sicherheitspolitisch heikel: Es ging darum, wie Daten und künstliche Intelligenz Entscheidungen im Gefecht beschleunigen, wie Drohnen und Artillerie den Vormarsch eigener Truppen schützen und wie sich die Überlebenschancen Verwundeter deutlich erhöhen lassen.
Erstaunlich ist jedoch vor allem, wer alles teilgenommen hat. Frankreich und Kanada, die sich gerade dem internationalen Trend zur Anerkennung eines palästinensischen Staates anschliessen, sind ebenso vertreten wie Deutschland, das Israel im August ein befristetes Waffenembargo auferlegt hat.
Auch Japan, das die Operationen der IDF in Gaza-Stadt als «völlig inakzeptabel» verurteilte, entsendete Offiziere. Und selbst Finnland, dessen Präsident den Gaza-Krieg als Verstoss gegen internationales Recht bezeichnet, sitzt mit am Tisch.
Heuchelei? Doppelmoral?
Wie man es nennen will: Diese Staaten verurteilen Israels Militäreinsätze mit deutlichen Worten – und scheuen dann aber nicht davor zurück, genau von jener Armee zu lernen, was sie während des zweijährigen Kriegs in Gaza gelernt hat.
So entsteht ein klarer Kontrast: Politisch geht man auf Abstand, militärisch sucht man die Zusammenarbeit – genau mit jener Armee, die man sonst wegen ihres Verhaltens an den Pranger stellt oder gar vor ein internationales Gericht zerrt.