Was hat der Mann gegen die Schweiz?
Donald Trump will in der nächsten Woche einen Zoll von 39 Prozent auf Produkte aus der Schweiz erheben. Das ist deutlich mehr als zum Beispiel jene 15 Prozent, die die meisten Unternehmen aus EU-Staaten für ihre US-Exporte zahlen sollen. Was also reitet Trump?
Die Antwort: Seine Verhandler haben sich die Bilanz mit der Schweiz genau angeguckt und Ungewöhnliches entdeckt. 60 Prozent der Schweiz-Exporte in die USA gehen auf das Konto der Pharma- und Medizintechnik-Industrie. Der satte Überschuss, den die Schweiz in der Handelsbilanz mit den USA erzielt, hängt eng mit dem Erfolg von Novartis, Roche und Co. zusammen. Der Markt ist für sie lukrativ. Während die Arzneimittelpreise in Europa stark reguliert sind, hat die US-Regierung wenig Einfluss auf die Medikamentenpreise, weswegen sie dort deutlich höher liegen als anderswo.
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Damit ist der US-Markt aber auch ein Klumpenrisiko für die Branche. Genau das rächt sich jetzt. Trump, der die medizinische Versorgung in seinem Land umkrempeln will, verlangt von allen ausländischen Pharmalieferanten niedrigere Preise. Er hat entsprechende Briefe an die grossen Pharmariesen der Welt versandt und auch offengelassen, ob die EU-Pharmaunternehmen nicht doch mehr als jene ausgehandelten 15 Prozent Zoll zahlen müssten. Die Schweiz mit ihrem hohen Pharmaexportanteil hat er deswegen gleich als Ganzes mit einem hohen Zoll belegt. Dass dabei Nicht-Pharmaunternehmen wie etwa Nestlé in Mitleidenschaft gezogen werden – das ist Trump völlig gleichgültig.
Und nun? Es bleibt noch eine Woche, bis die Zölle in Kraft treten. Trump ist ein Dealer. Die Schweiz hat noch eine Chance.