Im Wahlkampf gab sich Friedrich Merz noch neckisch.
«So geht es nicht, Manfred», ermahnte er mit wackelndem Zeigefinger seinen Parteifreund und mächtigen EU-Parlamentarier Manfred Weber. Konkret meinte er mit der Flasche verbundene Deckel, die die regulierungswütige EU den Bürgern aufzwingt.
Merz und Weber lachten herzlich, wussten doch beide, dass es nur ein Scherz war.
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Inzwischen wird der CDU-Kanzler ernster. Er klingt fast wie ein AfD-Politiker. Oder – horribile dictu – wie ein Bürger.
«So wie diese EU immer mehr, immer mehr, immer mehr reguliert, so kann es nicht weitergehen», rief er. «Diese Maschine EU-Kommission arbeitet weiter, immer weiter, immer weiter.»
Was tun?
«Wir müssen dieser Maschine in Brüssel jetzt mal das Stöckchen in die Räder halten, damit das mal aufhört mit dieser beständigen Regulierung aus dieser Gesetzgebungsmaschine der Europäischen Union», sagt der Kanzler.
Noch nie hat Merz Millionen von Menschen so sehr aus dem Herzen gesprochen.
Ausgerechnet er.
Der Mann, dessen Partei in Brüssel unter der Führung Manfred Webers noch jeden Unsinn mit abgesegnet hat.
Der Mann, dessen Parteifreundin Ursula von der Leyen schon in der zweiten Amtszeit die EU nach ihrer Fasson zurechtbügelt.
Der Mann, der die Brandmauer zur AfD auch damit rechtfertigt, dass die «Rechten» EU-kritisch sind.
Merz tut, was er Populisten vorwirft: Er macht die EU zum Sündenbock für das eigene Versagen – konkret: dem Scheitern beim Bürokratieabbau.
Und was will er tun? Ein Stöckchen ins Getriebe stecken. Keinen Stock, keinen Knüppel, keinen Sand streuen. Ein Stöckchen.
Und damit will er diesen Leviathan bremsen?
Echt jetzt?