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Die Zeichen stehen nach dem Treffen von Trump und Putin auf Entspannung – doch in Medien und Politik geht es mit Häme, Stimmungsmache und üblicher Kriegstreiberei weiter

Als Wladimir Putin gestern in die Limousine von Donald Trump stieg, war die Szene gefüllt mit weitreichender Symbolik. Hier der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, da der russische Präsident, der bis dahin im Wertewesten als Persona non grata galt. Hier der Anführer der – wie es immer pathetisch heisst – freien Welt, hier ein Staatschef, in dem die Kalten Krieger unserer Zeit einen Dämon sehen.

Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved.
President Donald Trump greets Russia's President Vladimir Putin Friday, Aug
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Trump und Putin, der angeblich Gute und der angeblich Böse höflich, respektvoll nebeneinander den Raum des Fahrzeuges teilend – vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Zumindest auf der symbolischen Ebene wird hier der Bau einer Brücke zwischen zwei verfeindeten Lagern sichtbar, was auch immer aus dem Treffen noch hervorgehen wird.

Doch: Es ist kompliziert, und Realität und Symbolik wollen nicht harmonieren. Zumindest nicht in den Schlagzeilen der Presse und den Aussagen deutscher Politiker, die gerade an die Öffentlichkeit herantreten.

Trump gilt für die Befürworter einer Konfrontationspolitik mit Russland nicht als einer der «Guten» und Putin, daran lassen sie keinen Zweifel, kann, darf und muss für immer verteufelt bleiben – am besten gleich noch mit ganz Russland. Kein Geringerer als der deutsche Aussenminister Johann Wadephul war es, der erst vor kurzem, vor dem Gipfel, sagte: «Russland wird immer ein Feind für uns bleiben, wie immer auch der Krieg in der Ukraine enden möge.»

Der Ton, das wissen alle, die die Debatte zum Ukraine-Krieg verfolgen, ist seit langem gesetzt. Wer die Hoffnung hatte, dass sich in Anbetracht von über eine Million getöteter, verstümmelter und traumatisierter Soldaten, die Opfer einer eiskalten Geopolitik geworden sind, nun endlich Einsicht und Vernunft in den deutschen Medien und der Politik einstellen würden, sieht sich getäuscht. Am Tag nach dem historischen Gipfeltreffen in Alaska geht es mit Häme, Stimmungsmache und dem üblichem Getue weiter.

Da hat «ZDF heute» «Beobachtungen» angestellt, und die erste Beobachtung lautet: «Trump überlässt Putin die Bühne.» Der Sender zitiert den US-Politikwissenschaftler John Goldstone mit den Worten: «Ein sehr trauriger Tag für die US-Diplomatie, ein sehr trauriger Tag für die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten – und ein triumphaler Sieg für Russland.»

Der Spiegel veröffentlicht einen Beitrag unter der Überschrift: «Trump kuscht, Putin triumphiert und Selenskyj zittert.» Der Nachrichtensender N-TV wählt die Überschrift: «Trump und Putin verkünden nichts», und das Magazin Stern präsentiert die Headline: «Trump-Putin-Treffen in Alaska: ‹Kein guter Tag für westliche Welt›».

In dem Beitrag erfährt die Leserschaft, wie der Politikwissenschaftler Peter R. Neumann vom King’s College in London das Treffen wahrgenommen hat. Er sah ausser «warmen Worten» nicht viel. Und: «Es lief offenbar nicht gut.» «Kein Deal. Kein Waffenstillstand.»

Wolfgang Ischinger, ehemaliger Chef der Münchner Sicherheitskonferenz und überzeugter Transatlantiker, schreibt auf der Plattform X: «Kein wirklicher Fortschritt – ganz klar 1:0 für Putin – keine neuen Sanktionen. Für die Ukrainer: nichts. Für Europa: tiefst enttäuschend.»

Die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte in einem Welt-Interview zum Ausgang des Gipfels: «Die Einheit des Westens ist spätestens seit heute Nacht in die Tonne getreten worden» – und: Wenn Europa jetzt nicht in die Gänge komme, «werden wir nur noch eine Fussnote in der Geschichte sein».

Das ZDF-«Morgenmagazin» wollte wissen, wie die Kanzlerpartei bewertet, «was in dieser Nacht passiert ist», und fragt CDU-Politiker Roderich Kiesewetter, der bekanntlich den Krieg nach Moskau «tragen» wollte. Kiesewetter sagt, es sei kein gutes Ergebnis, sondern «eher ein schwarzer Freitag gewesen».

Auf X schreibt der Chefredakteur der Bild-Zeitung als Kommentar auf einen anderen X-Tweet: «Kann es noch dümmer werden? Jetzt wird Putin, der Kriegsverbrecher, der Trump schmeichelt, als Beweis dafür herangezogen, dass Trump immer recht hatte. Meine Güte, Leute, ihr wart doch einmal stolze Republikaner.»

Der Soziologe Armin Nassehi repostet den Tweet eines Wirtschaftswissenschaftlers, worin es über einem Video zu Trump heisst: «Er ist wirklich der grösste Idiot unter der Sonne.» Und Thomas Jäger, Politikwissenschaftler an der Kölner Uni, findet in einem Tweet die folgenden Worte: «Man kann es nicht anders sagen: Ronald Reagan erbricht sich aus dem Grab auf jeden Tisch republikanischer Wähler. Die leben nur inzwischen in Trumps Welt.»

Zitate in dieser Tonalität liessen sich viele anführen. Die ausgewählten Reaktionen verdeutlichen: Umsetzbare Lösungen nach über drei Jahren Krieg sind aus dem Lager der Hardliner nicht zu erwarten. Die Reaktionen werfen Fragen auf: Sollen die Ukrainer weiterkämpfen, gegen ihren Willen zum Frontdienst gezwungen werden und einem Frieden erst dann zustimmen, wenn Russland als militärischer und politischer Verlierer das Schlachtfeld räumt? Danach sieht es aus. Doch diese Position ist längst an der Realität zerschellt.

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