Die USA suchen in Afrika eine stärkere Position zu erlangen, da der Einfluss Chinas und Russlands gestiegen ist. Präsident Biden hat soeben einen USA-Afrika-Gipfel veranstaltet – mit mässigem Erfolg
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Die USA suchen in Afrika eine stärkere Position zu erlangen, da der Einfluss Chinas und Russlands gestiegen ist. Präsident Biden hat soeben einen USA-Afrika-Gipfel veranstaltet – mit mässigem Erfolg

US-Präsident Joe Biden hat am 13. Dezember 49 afrikanische Staats- und Regierungschefs in Washington zu einem dreitägigen Gipfel empfangen. Biden wollte mit dem Treffen, das erstmals vor acht Jahren – damals noch unter Barack Obama – stattfand, dem wachsenden Einfluss Chinas und Russlands begegnen. Die USA möchten auch verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Die Biden-Administration hatte die Afrikaner beispielsweise im Falle der Sanktionen gegen Russland völlig falsch eingeschätzt und war deshalb ernüchtert, als sich kein einziges Land für Sanktionen ausgesprochen hatte.

Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved
President Joe Biden and other leaders arrive for a family photo during the U
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Der guineische Politologe Siba N’Zatioula Grovogui (Cornell University, New York) erklärte in einem Interview mit der Zeit am 6. Mai die afrikanische Perspektive. Er erläutert, dass Joe Biden versucht hat, Druck auf den südafrikanischen Präsidenten auszuüben und ihn dazu zu bringen, Stellung für eine Seite zu beziehen – obwohl Südafrika sich nicht positionieren will. Der Westen kommuniziere der Welt, dass er das Recht der Ukrainer verteidige, selbst über das eigene Schicksal zu bestimmen. Er wolle aber anderen Staaten das Handeln diktieren.

Wenn man im Westen die Moral zum Argument mache, um Staaten zum Handeln zu bewegen, so sei das unglaubwürdig und unehrlich, sagt Grovogui und verweist insbesondere auf die Unterstützung von Saudi-Arabien im Krieg im Jemen. Damit verliere man den Rückhalt im globalen Süden. Im Moment entstehe der Eindruck, dass der Westen die Moral instrumentalisiere, um seine Ziele zu erreichen.

Die USA versuchen, eine wichtigere Rolle auf dem Kontinent zu erlangen. In den kommenden drei Jahren soll afrikanischen Staaten 55 Milliarden Dollar zur Bewältigung «zentraler Herausforderungen» zur Verfügung gestellt werden. Der amerikanische Sicherheitsberater Jake Sullivan betonte ausdrücklich, dass die Verurteilung Russlands von den USA nicht gefordert würde. («Sullivan stressed that this money ist not conditional on African nations condemning Russia over its invation of Ukraine.»)

Die afrikanischen Staaten verkaufen vor allem Bodenschätze und wertvolle Rohstoffe wie die Mineralien Coltan und Seltene Erden, die für moderne Elektronik notwendig sind. Dafür werden verarbeitete Produkte aus den USA eingeführt. Allerdings ist der Handel seit 2016 stark zurückgegangen. Das Volumen des Handels zwischen Afrika und China lag zuletzt mit rund 200 Milliarden Dollar viermal so hoch wie jenes im Verkehr mit den USA. Für 47 afrikanische Länder ist China der wichtigste Handelspartner. Die USA sind in keinem einzigen Land in dieser Rolle.

Nachdem islamische Terroristen im Sahel viel Unheil anrichten und die Franzosen durch ihre engen Beziehungen mit korrupten Präsidenten als mittlere Macht schwächeln, ist die weitere Präsenz von US-Militäreinheiten in Afrika denkbar. Bisher haben die USA Militärbasen in Dschibuti, Kenia, Niger, Ägypten und in Kamerun.

Biden bietet den Afrikanern an, sich für die Aufnahme der Afrikanischen Union (AU) in die Gruppe der G-20-Länder einzusetzen. Das halte ich lediglich für Symbolik, denn die AU spielt nicht die politische Rolle, die sie spielen könnte. Nach Meinung der Zeitschrift Jeune Afrique ist «noch keine wichtige Idee von dort gekommen, weil sich die Staatschefs nur mit zweitrangigen Fragen beschäftigten».

Wichtiger wäre es, neben Südafrika das politische und wirtschaftliche Schwergewicht Nigeria aufzunehmen. Das Land ist der mit Abstand bevölkerungsreichste Staat Afrikas sowie die grösste Volkswirtschaft des Kontinents. Wichtigstes Exportgut ist Öl, von dem etwa die Hälfte in die USA geliefert wird.

Washington will die Wirtschaftsbeziehungen verbessern, Sicherheit, gute Regierungsführung und die Zivilgesellschaft stärken. «Dennoch wird Afrika kein Schwerpunkt der amerikanischen Regierung werden. Das dominierende politische Brennglas in Washington bleibt die geostrategische Konkurrenz mit China. Das ist keineswegs eine neue Entwicklung: Obwohl die Wahl des ersten schwarzen US-Präsidenten im Jahr 2008 in afrikanischen Ländern euphorisch gefeiert wurde, ignorierte dieser den Kontinent weitgehend», schrieb Christian von Soest vom Giga-Institut in Hamburg 2021.

Daran hat sich nach meinen Erfahrungen nichts geändert. Es war mehr als eine Ungeschicklichkeit, dass Biden keine Zeit für bilaterale Gespräche hatte. Auf der anderen Seite forderte Ghanas Präsident Akufo-Addo seine Kollegen auf, nicht weiter um Hilfe zu betteln. So könne man keinen Respekt gewinnen.

Volker Seitz ist Autor des Bestsellers «Afrika wird armregiert». Inzwischen liegt das Buch aktualisiert und erweitert in elfter Auflage vor.

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