Die Ukraine rechnet bis Ende 2027 mit einem deutlich höheren Finanzbedarf als bislang angenommen. Nach Informationen von Bloomberg hat die Regierung in Kiew ihre bisherige Schätzung von 38 auf 65 Milliarden US-Dollar nahezu verdoppelt. Als Quelle dienten dem Finanznachrichtendienst mit der Angelegenheit vertraute Personen aus dem Umfeld des Internationalen Währungsfonds (IWF), berichtet das Onlineportal Telepolis.
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Grund für den Anstieg sind vor allem die explodierenden Militärausgaben infolge des anhaltenden Krieges gegen Russland. Der IWF hat laut Bericht Zweifel an der finanziellen Tragfähigkeit der bisherigen Haushaltsplanung geäussert. Kiew versucht nun, noch vor Jahresende ein neues Vierjahresprogramm mit dem IWF auszuhandeln. Das laufende Paket über 15,5 Milliarden Dollar ist nahezu ausgeschöpft.
Die neue Bedarfsschätzung liegt der EU-Kommission bereits vor. In Brüssel wird nun diskutiert, ob die Differenz teilweise durch eingefrorene russische Vermögenswerte gedeckt werden kann. Anders als bisher könnte dabei nicht nur auf die Erträge, sondern auf die Vermögenssubstanz selbst zugegriffen werden. Eine Entscheidung ist jedoch offen.
Gleichzeitig wächst der Druck auf die USA, sich stärker zu engagieren. Unter Präsident Donald Trump ist die Bereitschaft zur weiteren Unterstützung deutlich gesunken. Die Ukraine drohe zwischen EU-Skepsis und US-Zurückhaltung aufgerieben zu werden, so Telepolis.