Nach Jahrzehnten des stetigen Aufholens sinkt in den USA erstmals seit langem die Erwerbsbeteiligung von Frauen.
Wie der Economist berichtet, ist der Anteil arbeitender oder arbeitssuchender Frauen von 57,7 Prozent im August 2024 auf 56,9 Prozent gefallen – ein Rückgang um rund 600.000 Personen. Damit wächst die Lücke zwischen Männern und Frauen erstmals seit den 1950er Jahren wieder deutlich.
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Eine Schwäche weiblich dominierter Branchen sei nicht die Ursache, heisst es. Während Sektoren wie Bildung und Gesundheit weiter Personal aufbauen, verlieren männlich geprägte Bereiche wie Produktion und Transport Arbeitsplätze.
Stattdessen könnten soziale Faktoren den Trend erklären. Auf Plattformen wie Tiktok erleben sogenannte tradwives, also Vertreterinnen traditioneller Geschlechterrollen, einen Aufschwung. Zudem belasten hohe Kinderbetreuungskosten vor allem Mütter.
Laut Volkszählungsamt ist die Erwerbsquote von Frauen mit kleinen Kindern seit ihrem pandemischen Höhepunkt gesunken. Doch das liegt offenbar weniger an Rückzug als an einem Anstieg der Geburtenrate: Nach verschobenen Hochzeiten während der Pandemie kam es zu einem kleinen Babyboom. Viele dieser Frauen dürften nach der Elternzeit zurückkehren.
Entscheidend könnte nun sein, wie sich die Rückkehrpflicht ins Büro auswirkt. Die Ökonomin Misty Heggeness von der University of Kansas fand heraus, dass Frauen, die während der Pandemie schwanger waren, dank Homeoffice häufiger im Beruf blieben.
Nun, da viele Arbeitgeber auf Präsenz setzen, bleibt offen, ob die Mütter der neuen Babyboom-Generation diesen Weg fortsetzen. Der Economist zeigt sich vorsichtig optimistisch – nicht zuletzt, weil seine eigene Autorin nach Babypause wieder am Schreibtisch sitzt.