Popproduzent Dieter Bohlen hält künstliche Intelligenz längst für einen ernstzunehmenden Mitspieler im Musikgeschäft. Im Interview mit der Bild-Zeitung sagt der langjährige «Deutschland sucht den Superstar»-Juror: «In Amerika sind die ersten KI-Nummern schon auf Platz eins der Charts. Es stimmt überhaupt nicht, dass diese KI-Nummern gefühllos sind. Die singen besser als jeder Kandidat.»
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Für Bohlen zeigt das vor allem, wie schnell sich die Musikproduktion verändert. KI-generierte Stimmen und Songs würden immer ausgereifter und könnten inzwischen durchaus mit menschlichen Künstlern mithalten. Für Nachwuchstalente bedeutet das: Neben anderen Sängern mischt nun auch die Maschine im Wettbewerb um Hits und Streamingzahlen mit.
Auch beim Thema Castingshow bleibt Bohlen nüchtern. Das grosse Versprechen vom «Superstar» hält er heute für etwas aus der Zeit gefallen. «Die Leute, auch die Medien, kritisieren uns ja immer und höhnen, dass wir noch nie einen echten Superstar gefunden hätten. Vielleicht ist dieser Ausdruck ‹Superstar› auch nicht der richtige», sagt er.
Viele Gewinner glaubten, ein Sieg bei «DSDS» sichere automatisch eine lebenslange Karriere. «Die Leute, die denken, sie haben gewonnen und können jetzt ihr Leben lang von diesem einen Sieg bei ‹DSDS› leben. Das ist eine Illusion.» Die Show könne vor allem als Sprungbrett dienen: Kandidaten erhielten eine Bühne dafür, ihr Talent zu zeigen – eine langfristige Karriere garantiere das Format jedoch nicht.
Bohlen sitzt seit mehr als zwei Jahrzehnten in der DSDS-Jury und gilt als einer der einflussreichsten Popproduzenten im deutschsprachigen Raum. Die Castingshow startet im April in ihre 22. Staffel. Neben Bohlen gehören diesmal auch Rapper Bushido und Partysängerin Isi Glück zur Jury.