Der Deutsche Buchpreis ist – wie sein Schweizer Pendant – ein Preis zur Stärkung des Buchhandels. Und man mag es jedem Buch gönnen, das dank diesem Preis zusätzlich verkauft wird. Selbst wenn es ein missratenes ist wie «Die Holländerinnen» von Dorothee Elmiger, der in New York lebenden 40-jährigen Zürcherin.
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Die Ich-Erzählerin des Buches ist eine Schriftstellerin, die vor Studenten in einer Poetikvorlesung darlegt, wie sie in eine Schaffenskrise geraten ist. Sie ist darin gefangen, seitdem sie sich im Gefolge eines Theatermachers auf eine Dschungelreise in Panama begeben hat. Dort wollte der offensichtlich Milo Rau nachempfundene Regisseur einen «Fall» rekonstruieren, das Verschwinden von zwei jungen Holländerinnen, und verlor sich mit seiner Truppe fast selber im Urwald.
Die Schriftstellerin mutet den Lesern fast 160 in der indirekten Rede erzählte Seiten zu, die man erleiden oder, wie die Jury, als «Ereignis» feiern kann. Dazu kommen mal mehr, mal weniger rätselhafte Geschichten der Mitreisenden und unzählige kommentierte Zitate von Philosophen, Schriftstellern, Künstlern und Filmemachern – mehr oder minder ausgegorene Reflexionen von bildungsbürgerlichem Strandgut.
Dorothee Elmiger kann schreiben, das ist unbestritten, aber es fehlt ihr an erzählerischer Ökonomie und Kraft. Was die Wahrscheinlichkeit nicht schmälert, dass ihr auch der diesjährige Schweizer Buchpreis verliehen wird – schon bei Kim de l’Horizon liess sich die Schweizer Jury 2022 von den begeisterten deutschen Kolleginnen in ihrem Urteil mitreissen.