Am Samstag hatte die Schweizer Frauen-Nati auf dem Bundesplatz in Bern ihren letzten grossen Auftritt an der Heim-EM. Trotz Regenwetter wurde sie von zahlreichen Fans gefeiert. Es waren nicht Tausende, wie wenn die Young Boys einen Pokal gewinnen, doch die Stimmung war ähnlich ausgelassen wie in den Kommentarspalten der Zeitungen über die letzten Wochen. Und die Schweizer Trainerin Pia Sundhage bewies ihr bemerkenswertes Gesangstalent, und die Spielerinnen zeigten, dass sie auch den lockeren Tanzschritt meisterlich beherrschen.
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Auf den Shirts von Spielerinnen und Staff stand das, was an diesem Tag Programm war: «Danke Schweiz, Merci Suisse, Grazie Svizzera».
Das Schweizer Frauenteam hatte in den vergangenen Wochen das geschafft, was der Männer-Nationalmannschaft nur gelingt, wenn sie gerade den Weltmeister aus einem grossen Turnier wirft: Es hat für eine kollektive Euphorie gesorgt und auch viele Menschen vor den Fernseher gelockt, die sonst kaum je Fussball schauen.
Doch was ist der Auftritt der Schweizerinnen sportlich wert? Ohne hier den grossen Spielverderber oder Partycrasher spielen zu wollen, muss man festhalten: Es besteht Steigerungspotenzial.
Von vier Partien hat die Schweizer Equipe nur ein Spiel gewonnen – gegen Island. So märchenhaft der Last-minute-Ausgleich gegen Finnland (und damit die Viertelfinalqualifikation) auch war, so klar muss man festhalten: Will man künftig an grossen Turnieren eine Rolle spielen, müssen Siege gegen Finnland und Island zur Normalität werden.
Nimmt man einen harten Massstab, muss man sagen: Die Schweiz spielte an diesem Turnier nur eine wirklich gute Halbzeit. Die erste gegen Norwegen.
Entsprechend sieht auch die statistische Bilanz aus: Sowohl bei den geschossenen Toren (4) als auch bei der Passgenauigkeit (78,3 Prozent) oder den Abschlüssen (51) befindet man sich ausserhalb der Top sechs. Nur bei den gewonnenen Zweikämpfen (57) gehört man zu den besten sechs.
Dies mögen Zahlenspielerein sein. Aber in einem Geschäft, in dem die Leistungsdaten immer wichtiger werden, sind es Parameter, die man nicht ausblenden sollte. Überhaupt tut der Schweizer Verband bei der Detailanalyse gut daran, sich nicht von romantischen Glücksgefühlen eines stimmungsvollen Heimturniers fehlleiten zu lassen – auch nicht, wenn es um die Vertragsverlängerung mit der Trainerin geht.
Wie sagt es doch Sion-Präsident Christian Constantin: Die Wahrheit steht auf dem Totomat. Und dort ist bei der Schweizer Frauen-Nati längst nicht alles Gold, was zu glänzen scheint.