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Die Schweiz ist erschüttert. Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana kostet jetzt ein weiteres Flammeninferno in Kerzers viele Opfer

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Die Schweiz ist erschüttert. Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana kostet jetzt ein weiteres Flammeninferno in Kerzers viele Opfer
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Eigentlich sollte es das grosse Jubeljahr werden von Bundespräsident Guy Parmelin. Doch jetzt sieht es fast danach aus, als stehe er alle paar Wochen vor einem neuen Abgrund. Knapp zweieinhalb Monate sind seit der tragischen Brandkatastrophe in Crans-Montana vergangen, jener verhängnisvollen Silvesternacht, als in der Bar «Le Constellation» 41 fast vorwiegend sehr junge Menschen in einem Flammeninferno starben und 115 schwer verletzt wurden. Dieser Brand ist längst zum Inbegriff für Behördenschlampereien geworden, weil man die vorgeschriebenen Brandschutzkontrollen in den Jahren davor massiv vernachlässigte.

© KEYSTONE / CYRIL ZINGARO
Blumen und Kerzen im Zentrum von Kerzers.
© KEYSTONE / CYRIL ZINGARO

Während sich der Bundespräsident in der Walliser Kantonshauptstadt Sion mit Überlebenden dieser Tragödie traf und seine Solidarität mit den Betroffenen zum Ausdruck brachte, tat sich im Kanton Freiburg schon der nächste Abgrund auf. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei, hat sich ein Mann in einem Postauto in Kerzers FR mit Benzin übergossen und angezündet. Das Feuer breitete sich im Bus blitzschnell aus, sechs Menschen kamen ums Leben, vier Passagiere und ein Rettungssanitäter wurden verletzt. Es soll sich um eine «vorsätzliche Tat ohne ideologisches Motiv» handeln, also um keinen Terroranschlag. Beim mutmasslichen Täter handelt es sich offenbar um einen psychisch instabilen, im Kanton Bern wohnhaften Schweizer. «Erneut müssen wir einen solch traurigen Moment erleben», sagt Parmelin sichtlich bewegt, als er in Kerzers der Opfer gedachte.

Es scheint, als hätte unser Land seine Unschuld verloren. Lange lebten wir im Glauben, dass solche schrecklichen Dinge nur in anderen Ländern passieren. Wir wähnten uns auf einer Insel der Glückseligen, stolz auf unseren Wohlstand, die Stabilität und die Sicherheit. Wir sind die Musterknaben Europas in vielerlei Hinsicht und unsere hohe Lebensqualität zieht Menschen an. Jetzt torkeln wir von einem Albtraum zum nächsten.

Natürlich blieb auch die Schweiz in der Vergangenheit nicht vor Katastrophen und Tragödien verschont. Wie könnte man den Amoklauf im Kantonsrat von Zug vergessen? Ein Attentäter erschoss 2001 vierzehn Politiker und nahm sich dann selbst das Leben. Die Brandkatastrophe im Gotthard-Strassentunnel am 24. Oktober 2001, ausgelöst durch eine Frontalkollision zweier Lastwagen, forderte elf Todesopfer. Bei einem Busunglück in der Nähe von Sierre am 13. März 2012 starben 28 Menschen, darunter 22 Schulkinder aus Belgien. So schrecklich all diese Ereignisse waren, sie hatten für sich genommen nie die Kraft, unser Grundvertrauen zu erschüttern. Aber die Silvesternacht in Crans-Montana und die Vorkommnisse in Kerzers haben alles verändert.

Die Auswirkungen dieser beiden Katastrophen bedeuten für die betroffenen Familien unbeschreibliches Leid und für die übrige Bevölkerung ein Trauma. Das Sicherheitsgefühl ist erschüttert. Wir werden wohl nie mehr ohne Beklemmung eine Bar betreten, oder in ein Postauto steigen.

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