Hans-Peter Walser, Korpskommandant und Ausbildungschef der Schweizer Armee, blickt kritisch gen Ost: «Russland hat Interesse daran, dass Europa geschwächt und auseinanderdividiert wird», so der Vize-Armeechef im SRF-Interview.
Walser sieht offenbar auch Bern in Gefahr: «Ob die Schweiz militärisch direkt von Russland bedroht ist, lässt sich schwer sagen. Aber wir wurden in den letzten Jahren mehrfach überrascht – deshalb kann heute nichts mehr ausgeschlossen werden.»
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Hält der Vize-Armeechef einen Angriff Moskaus auf unser Land mittlerweile für ein realistisches Szenario? Immerhin hat die Landesregierung in ihrem Zusatzbericht zum Sicherheitspolitischen Bericht 2021 noch festgestellt, dass ein solcher «in absehbarer Zukunft unwahrscheinlich» sei.
Korpskommandant Walser scheint die Bedrohungslage heute anders zu interpretieren. Mit seiner Auffassung ist er im VBS nicht allein. Marcus Keupp etwa, der an der ETH-Militärakademie junge Offiziersanwärter ausbildet, warnt seit Jahren vor einem russischen Vormarsch in Europa. In seinem kürzlich erschienen Buch «Spurlos» zieht der Akademiker gegen die Schweizer Neutralität vom Leder und plädiert dafür, den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu isolieren.
Ermöglicht hat das Buch mitunter kein Geringerer als Ausbildungschef Walser, der dem deutschen Akademiker «stets den Rücken gestärkt» habe, wie Keupp dankend im Vorwort schreibt. Im VBS herrscht längst wieder Kalter Krieg, und der Feind sitzt wieder einmal in Moskau. Darauf deuten jedenfalls die Äusserungen des Ausbildungschefs hin.