Vor achtzehn Jahren stellte die Zeitung Mail on Sunday den Künstler Banksy ihren Lesern vor (die Weltwoche berichtete). Es handelt sich um einen Robin Gunningham aus bürgerlichem Haus in Bristol, Jahrgang 1973. Der junge Mann taugte nichts und begann, wie viele andere auch, die tägliche Langeweile mit Wand-Sprayereien zu übertünchen. Diese zeichneten sich in ihrer Schlichtheit durch zeitgeistige Aktualität aus mit Themen wie Antirassismus oder Pazifismus.
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So wurde Gunningham zu einem Popstar, dem die Medien noch und noch huldigten. Sie schreiben gerne vom einsamen Weltverbesserer, der seine Botschaften für das Gute an den Wänden der Reichen klatscht; Sozialkitsch pur verkauft sich am besten. Das Geschäft lief wie geschmiert für Gunningham, denn er machte mit seinen Schablonenbildern ein Vermögen. Toll auch für die Medien, sie konnten einem angeblichen Mythos huldigen, auch wenn es diesen nie gegeben hat.
Schon gar nicht in den letzten Jahren, denn hinter Gunningham steht das Unternehmen Pest Control, eine Firma wie jede andere auch. Sie hat eine Anwaltskanzlei im Rücken, die peinlich darauf achtet, dass niemand Banksys simple Kunst kopiert. Aber all das interessierte keinen, Banksy durfte den medialen Status des Säulenheiligen geniessen. Jetzt ist er ein zweites Mal entlarvt worden und nennt sich nun David Jones. Jones? Ach ja, das ist der Mädchenname seiner Mutter, falls das jemand wissen möchte.