Die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr sagte vor ihrer letzten Wiederwahl zur Winterthurer Zeitung: «Wir müssen alles tun, damit wir das Klimaziel – netto null bis 2040 – erreichen: als Staat, als Unternehmen und privat. Je 40 Prozent der Treibhausgase gelangen durch die Mobilität und durchs Heizen in die Atmosphäre. Deshalb sind hier die grossen Hebel – auch für unseren persönlichen Beitrag. Beim Engagement gegen die Klimakrise gibt es kein ‹Zuviel›. Das Motto des Klimadialogs 2022, den die Baudirektion und meine Direktion, die Justizdirektion, zusammen mit den Gemeinden ins Leben gerufen haben, hiess: ‹Wir schaffen das!› Wir müssen es schaffen, denn sonst hinterlassen wir unseren Enkelkindern ein furchtbares Erbe.»
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So weit Jacqueline Fehr zum furchtbaren Klimaerbe der Enkelkinder. Gleichenorts meinte sie zu ihrem eigenen Verhalten: «Manchmal, wenn ich morgens mit dem Zug zur Arbeit nach Zürich fahre, wird mir bewusst: Ich vertrete all diese Menschen, die mir gegenübersitzen und denen ich im Bahnhof begegne, in der Zürcher Regierung.»
Wenn Regierungsrätin Jacqueline Fehr aber als Mitglied der Schweizer Delegation nach Strassburg zu einem Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates fährt, ist vom Zug und vom Bahnhof keine Rede mehr. Vielmehr wurde die kämpferische Sozialdemokratin von Schweizer Gemeindepräsidenten gesehen, wie sie mit einer Dienstlimousine nach Strassburg reiste, die ein Fahrer chauffierte. Was helvetische Gemeindevertreter, die klimabewusst mit dem Zug angereist waren, eher befremdete.
Übrigens fand die besagte Strassburger Sitzung an einem Mittwoch statt, also am Tag der regelmässigen Zürcher Regierungsratssitzung. Jacqueline Fehr blieb infolgedessen wegen ihrer Auslandreise nach Strassburg dieser Sitzung fern. Obwohl es doch für sie nach eigenem Bekunden nichts Grösseres gibt, als die Bewohner ihres Kantons in der Regierung zu vertreten.
In ihrer Direktion gilt es mittlerweile als offenes Geheimnis, dass Regierungsrätin Fehr per Ende der Amtszeit im Frühling 2027 zurücktreten wird. Bereits soll sie nebenberuflich eine Ausbildung zur Mediatorin absolvieren. Ihre Medienstelle will dies aber ausdrücklich nicht bestätigen und antwortet auf eine entsprechende Frage: «Was Regierungsmitglieder in ihrer Freizeit unternehmen, ist deren Privatsache.»
Nur ist das mit der Privatsache so eine Sache. Die Weltwoche weiss, dass die SP-Magistratin wegen ihrer Weiterbildung zur Mediatorin durchaus schon verschiedentlich offizielle berufliche Termine verpasst hat.