Der frühere israelische Premierminister Ehud Olmert erhebt schwere Vorwürfe gegen die Regierung von Benjamin Netanjahu. Der Luftschlag auf Hamas-Führer in Doha sei ein «klares Signal», dass Tel Aviv kein Interesse an Verhandlungen über eine Freilassung der Geiseln habe. «Wenn man eine Verhandlungsdelegation tötet, bedeutet das, dass man keine Verhandlungen und keine Freilassung der Geiseln will», sagte Olmert dem Sender Al-Dschasira.
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Olmert kritisierte die Entscheidung als überstürzt – und betonte, der Anschlag sei zum «falschen Zeitpunkt und am falschen Ort» erfolgt. Er bedaure den Tod des Sohnes des Hamas-Funktionärs Khalil al-Hayya, der bei dem Angriff starb, sowie die Verletzung von dessen Frau. «Ein Kind sollte kein Opfer sein», sagte Olmert. Zwar müssten Hamas-Mitglieder bestraft werden, aber deren Familien seien «eine andere Geschichte».
In dem Interview warf der Ex-Premier der Regierung auch eine grundsätzliche Fehlstrategie vor. Das Kabinett hat laut Olmert den Befehl gegeben, «Palästinenser unterschiedslos zu töten, auch solche, die mit dem 7. Oktober nichts zu tun hatten». Dies sei eine falsche Politik, betonte er.
Olmert kündigte an, mit anderen Kräften daran zu arbeiten, das politische Ende Netanjahus herbeizuführen. Der Regierungschef stelle eine «Gefahr für das Land» dar und vertrete Israel nicht mehr.
Bereits in der Vergangenheit hatte Olmert internationale Kritik an Israels Vorgehen unterstützt. So sagte er der BBC, das israelische Vorgehen in Gaza sei «sehr nahe an einem Kriegsverbrechen». CNN erklärte er, er könne Israel nicht länger gegen derartige Vorwürfe verteidigen.