Berlin
Weltwoche: Herr Thierse, die SPD hat ein historisch schlechtes Wahlergebnis eingefahren. Welche Lehren muss Sie Ihrer Meinung nach daraus ziehen?
Wolfgang Thierse: Die Partei muss sich insgesamt einer fundamentalen Selbstkritik unterwerfen. Mein Eindruck ist, dass das Bild der SPD undeutlich geworden ist. Ihr Profil ist verwaschen, sie ist thematisch zu zerfranst, sie muss ihren Identitätskern zurückgewinnen. Das heisst, es muss ihr deutlich und sichtbar um Arbeit, um Einkommen, um wirtschaftliche Zukunft, um die Zukunft des Sozialstaats gehen. Ausdrücklich in Unterscheidung zu rechts- oder linkspopulistischen Parteien darf die SPD nicht der Versuchung nachgeben, Wunder zu versprec ...