Geografie ist Schicksal. Wenige Länder wissen das besser als Polen – aus schmerzlicher Erfahrung
Flach ist das Land, keine Gebirgszüge oder Ströme bremsen Panzerkolonnen und Infanterieregimenter. Und Polen hat zwei grosse Nachbarn, die immer wieder diese Topografie genutzt haben.
Entsprechend tief sitzt das Misstrauen gegen Deutsche und Russen. Wirklich trauen tut man keinem.
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Derzeit ist das Misstrauen gegenüber Russland grösser. Der vorläufig letzte Besatzer kam aus Moskau, nicht aus Berlin. Und Russland führt Krieg gleich hinter der Grenze.
Es ist also nachvollziehbar, wenn Warschau mitunter hypernervös agiert. Zuletzt stiegen polnische Jets auf, obwohl der eigene Luftraum nicht verletzt worden war.
Verständlich, aber nicht unbedingt zu billigen. Die Überreaktionen können fatale Konsequenzen haben. Sie können von Russland missverstanden werden und zu einem direkten Schlagabtausch führen. Oder die Nato-Verbündeten so kribbelig machen, dass deren Finger noch mehr am Abzug zittert.
Höchste Zeit, mässigend auf Warschau einzuwirken.