Lima – Am letzten Freitag empfing US-Präsident Donald Trump die Vertreter von zwei Dutzend internationalen Erdölfirmen, um sie für Investitionen in Venezuela zu gewinnen. Die Privatwirtschaft soll das Land aus dem sozialistischen Sumpf befreien. Es gibt dafür keine Subventionen. Lediglich eine Garantie der US-Regierung, die Investitionen langfristig und notfalls militärisch zu schützen.
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Venezuela soll die Erdölförderung massiv steigern. 80 Prozent der Bevölkerung leben in Armut, 8 Millionen über den ganzen amerikanischen Kontinent verteilte Regimeflüchtlinge aus Venezuela möchten wieder in ihre Heimat reisen. Von Ökologie und Klima redet vor einer solchen Kulisse niemand. Doch das ist zu kurz gedacht. Selbst wenn Venezuela seine verkümmerte Erdölproduktion wieder auf Vordermann bringt, könnte durchaus auch ein Nutzen für die Umwelt resultieren.
Wie die Agentur Bloomberg in einem ausführlichen Bericht darlegt, übertreffen die Methan-Emissionen Venezuelas jene durchschnittlicher Fördernationen um das 6- bis 8-Fache, wie Satellitenbilder zeigen. Hauptgründe dafür sind neben Lecks in der maroden Infrastruktur fehlende Pipelines und Verflüssigungsanlagen, um das selbst in stillgelegten Bohrlöchern anfallende Erdgas abzuführen. So gelangen jährlich geschätzte 13 Milliarden Kubikmeter Methan in die Atmosphäre. Zur Erinnerung: Methan bewirkt einen 80-mal höheren Treibhauseffekt als das famose Kohlenstoffdioxid (CO2).
Das sozialistische Regime in Venezuela enteignete in den vergangenen zwei Jahrzehnten die meisten ausländischen Erdölfirmen. Unter der staatlichen Misswirtschaft brach nicht nur die Förderung zusammen. Fehlende Neuinvestitionen führten auch zu einer Verlotterung der Infrastruktur, die zum Teil komplett neu aufgebaut werden muss. Dabei könnte ein Effekt auftreten, der schon beim Zusammenbruch der Sowjetunion zu beobachten war. Der Ersatz der veralteten Dreckschleudern aus dem real existierenden Sozialismus führte auf dem Gebiet der vormaligen DDR zu einem Rückgang der CO2-Emissionen zwischen 1990 und 1993 um 50 Prozent.
Die Frage ist, ob die Multis überhaupt in Venezuela investieren wollen. Entgegen den Beteuerungen von Präsident Trump ist das meiste venezolanische Öl von minderwertiger Qualität («extra heavy sour») und damit aufwendig in der Förderung und Raffinierung. Allerdings hat Trump noch einen Trumpf im Ärmel. Die Erdölmultis ConocoPhillips, ExxonMobil, Eni, Repsol und Chevron haben wegen der Enteignungen noch 20 bis 30 Milliarden Dollar vom bankrotten venezolanischen Staat zugute. Und wenn sie etwas von diesem Geld zurückerhalten wollen, werden sie wohl oder übel in den Wiederaufbau des Landes investieren müssen.