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Die grüne Maschine läuft auf Hochtouren: Das Schweizervolk hatte die Biodiversitäts-Initiative 2024 abgelehnt. Dennoch drückt die Umweltlobby beim Bund die Ausweitung von Schutzgebieten nun durch

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Die grüne Maschine läuft auf Hochtouren: Das Schweizervolk hatte die Biodiversitäts-Initiative 2024 abgelehnt. Dennoch drückt die Umweltlobby beim Bund die Ausweitung von Schutzgebieten nun durch
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Es genügt, das Verdikt war klar: Mit 63 Prozent Nein wurde die Biodiversitätsinitiative im September 2024 verworfen. Die Bevölkerung wollte keine Ausweitung der Schutzzonen. Bundesrat Albert Rösti hatte angekündigt, der Fokus ruhe nun auf der Qualitätsverbesserung der bestehenden Gebiete.

Ämter und Forschungsinstitute kümmert das nicht. Jüngst erschien der Bericht «Biodiversität fördern durch die Wiederherstellung feuchter und nasser Wälder». Konkret heisst das: Bäche stauen, Dämme bauen, Wälder ersäufen, Kulturland gleich mit. Holz wird nicht geerntet, sondern verfaulen gelassen. Umso mehr wird importiert.

© KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD
Lisa Mazzone (droite), candidate a la presidence des Verts suisses felicite Balthasar Glaettli (gauche), president sortant des Verts suisses, lors de l'assemblee des delegues des Verts ce samedi 6 avril 2024 a Renens
© KEYSTONE / VALENTIN FLAURAUD

Die umweltpolitischen Widersprüche sind ein Nebenschauplatz. Skandalös ist vielmehr, dass mit Forschungsgeldern eine politische Agenda vorangetrieben wird. Im diametralen Widerspruch zum erklärten Volkswillen.

Herausgeber der Studie ist das Synthesezentrum Biodiversität, eine Kooperation von ETH Zürich, eidgenössischer Forschungsanstalt WSL und nationalem Wasserforschungsinstitut Eawag. Es sind just jene drei Institutionen, deren Vertreter zuvorderst die Biodiversitätsinitiative bewarben. Medienaffine Forscher waren als rührige Abstimmungspromotoren aufgetreten. Ihr Ziel: mehr Gesetze und Kontrollen. Selbstredend hätten sie selber die Grundlagen dazu geliefert. Ermittelt in ausladenden und üppig besoldeten Studien. Einkommen und Einfluss zugleich, ein formidables und feudales System.

Knapp zwei Monate vor dem Abstimmungstermin hatten Leute von ETH, WSL und Eawag eine Art Manifest veröffentlicht. Es hatte den Titel «Situation der Biodiversität in der Schweiz» und wurde von mehreren hundert Akademikern mitunterzeichnet. Angehörige von Naturschutzämtern und -organisationen waren auch dabei. Sie verkündeten ihre Sorge über den Zustand und die Entwicklung der Biodiversität in der Schweiz. «Wir sehen grossen Bedarf für rasche und griffige Massnahmen, um den Schutz und die Förderung der Biodiversität in der Schweiz zu sichern und zu verstärken.» Die Stimmbürger sahen den Bedarf nicht, und verwarfen die Initiative wuchtig. Zurecht. Denn nach Jahrzehnten des Rückgangs nimmt die Artenvielfalt in der Schweiz seit 20 Jahren wieder zu. Ausser in den Agglomerationen, wo das Siedlungswachstum grassiert. Bezeichnenderweise sind die universitären Forscher fast ausnahmslos Agglokinder.

Mit dem Manifest den Abstimmungskampf beeinflussen zu wollen, wurde in Abrede gestellt. Die zeitliche Nähe zum Abstimmungstermin sei purer Zufall. Nur wenige Monate nach der Abstimmung war die zugehörige Website nicht mehr aktiv. Was bleibt: Die engen Verstrickungen zwischen Naturschutzämtern, NGOs und Forschungseinrichtungen liegen offen wie nie zuvor. Dafür scheint sich allerdings gar niemand zu genieren.

Wissenschaftsfreiheit und moralischer Hochmut scheinen die Forscher immun zu machen gegen Volksentscheide. Im Exekutivrat des «Synthesezentrums» vertreten sind Pro Natura und die kantonalen Naturschutzämter. Der Wunsch nach einer ökosozialistischen Transformation verbindet. Die Hochschulen mutieren zum Politbüro der Umweltorganisationen. So entfällt das aufwändige Spendensammeln. Vielmehr kann direkt der Steuerzahler angezapft werden.

Das Synthesezentrum gibt vollmundig an, «Wissen von Fachleuten aus der Praxis und Wissenschaft zusammenzubringen». Besagter Bericht sei «Ergebnis eines transdisziplinären und partizipativen Prozesses». Autorenschaft und Begleitgruppe bestanden aus insgesamt sechzehn Personen. Sie stammen aus Forschungsinstitutionen, kantonalen Ämtern, Umweltorganisationen und privaten Ökobüros. Alle «Privaten» sind ehemalige Mitarbeiter von Ämtern oder Funktionäre von Umweltorganisationen. Klingt eher mono- denn transdisziplinär. Allesamt sind Akademiker, Planer, Strategen oder Spendensammler. Klingt eher nach Theorie denn nach Praxis.

Unerbittlich wird die grüne Agenda vorangetrieben. Das Beispiel ist nur eines von vielen, das Vorgehen erprobt und etabliert. Die unverbindliche Studie markiert den Anfang einer ganzen Kampagne. Anschliessend spielen die Umweltorganisationen auf der PR-Klaviatur, und letztlich erheben die Verwaltungen den Leitfaden zu verbindlichen Handlungsanweisungen. Abseits von demokratischen Entscheiden und politischen Beschlüssen.

Das Synthesezentrum ist eine Kreation des ETH-Rats. Für eine Laufzeit von drei Jahren ist es mit insgesamt 2.3 Mio. Franken alimentiert. Im Rechenschaftsbericht des Jahres 2024 sind 45 Netzwerkveranstaltungen vermerkt. Bisher gab es ein knappes Dutzend Publikationen. Fast alle waren der Nabelschau gewidmet. Der Bericht zur Vernässung ist das erste fachlich befüllte Produkt. Nach zwei Jahren und veratmeten 1.5 Millionen. Man weiss gar nicht recht, ob man sich ob der ineffizienten Opulenz ärgern soll. Oder ob die Erleichterung obsiegt, dass ausser erfolgreicher Geldvernichtung wenig Schaden angerichtet wurde.

Marcel Züger ist Biologe ETH und Inhaber der Umweltdienstleistungsfirma Pro Valladas in Salouf.

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