Der Bundeswehrverband warnt vor einer wachsenden Bedrohung durch Russland und fordert konkrete Vorbereitungen auf eine mögliche Kriegswirtschaft. Verbandschef André Wüstner sagte dem Handelsblatt: «Die Gefahr besteht bereits jetzt – und sie wird täglich grösser.»
Wüstner verlangt ein deutlich höheres Tempo bei der militärischen Aufrüstung. Die deutsche Rüstungsindustrie müsse ihre Kapazitäten rasch ausweiten und im Schichtbetrieb arbeiten, um im Eskalationsfall schnell in eine «Art Kriegswirtschaft» übergehen zu können. Auch andere europäische Staaten handelten bereits entsprechend: «Nicht nur die Osteuropäer sprechen bereits von einer Vorkriegsphase und stärken ihre Verteidigungsfähigkeit mit Hochdruck.»
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Nach Einschätzung des Verbands ist die Abschreckung Europas derzeit geschwächt. Verantwortlich dafür seien sowohl militärische Defizite in Europa als auch Unsicherheiten in der transatlantischen Partnerschaft. Das Verhalten von US-Präsident Donald Trump habe zur Entstehung einer «Abschreckungslücke» beigetragen, die rasch geschlossen werden müsse.
Zugleich sieht Wüstner Russland strategisch im Vorteil. Der Krieg im Nahen Osten verschaffe dem Kreml zusätzlichen Spielraum. Höhere Einnahmen aus Energieexporten sowie eine nachlassende Unterstützung der Ukraine könnten Moskau in die Lage versetzen, seine Angriffe auszuweiten. Russland könne zudem hybride Operationen verstärken oder die Nato-Ostflanke testen.
Der Bundeswehrverband warnt daher vor einer Fehleinschätzung der Lage. Annahmen, Russland sei erst in einigen Jahren zu einer direkten Konfrontation mit der Nato bereit, bezeichnet Wüstner als unrealistisch. Europa dürfe sich nicht von anderen Konflikten ablenken lassen und müsse seine Verteidigungsfähigkeit rasch stärken.