Aussenminister Ignazio Cassis hat stolz verkündet, dass er am WEF in Davos dreizehn Treffen absolviert habe. «Die Welt ist derart unsicher, dass das Bedürfnis nach mehr Dialog enorm gross ist», meinte Cassis. Da stellt sich bloss die Frage, ob das Bedürfnis der Welt nach mehr Cassis auch so enorm gross ist.
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Bundesrat Ignazio Cassis räumte ein: «Wir tun nicht so, als ob wir alles verstanden hätten.» So viel hat er allerdings verstanden, dass jetzt sein diplomatisches Geschick gefordert ist. Weil die Schweiz momentan die Präsidentschaft der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ausübe. Das oberste und wichtigste Ziel sei es, in der Ukraine Frieden oder zumindest einen Waffenstillstand zu erreichen.
«Im Moment arbeite ich schnell nur an diesem Ziel», hielt der Tessiner fest. Was in Russland, in den USA, in der Ukraine und der Europäischen Union wahrscheinlich mässig tiefen Eindruck hinterlässt. Ungefähr so viel wie die missglückte Bürgenstock-Konferenz.
Allenfalls könne der OSZE die Rolle zufallen, einen Waffenstillstand zu kontrollieren. Zu diesem Zweck wird Cassis in die USA, nach Kiew und nach Moskau reisen. Um abzuklären, was diese wichtigen Länder von ihm erwarten.
Am wenigsten wohl eine hektische, unüberlegte und zappelige Reisediplomatie. Spitzenvertreter von Moskau und der Ukraine werden sich nämlich demnächst unter US-Vermittlung zu Friedensgesprächen in Abu Dhabi treffen. So dass Cassis möglicherweise an seinen Reisezielen gar keine kompetenten Gesprächspartner vorfindet.
Dass die Friedensverhandlungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden, hat sich Ignazio Cassis übrigens selbst zuzuschreiben. Er verbrüderte sich nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs derart krass neutralitätswidrig mit Präsident Selenskyj, dass die Schweiz mitsamt ihren Boykottmassnahmen von Moskau als Kriegspartei beurteilt wird und deswegen nicht mehr als Ort der Friedensstiftung in Frage kommt.