Obwohl mehrere grosse Gasspeicher in Deutschland den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestfüllstand von 30 Prozent zum 1. Februar unterschreiten, wiegelt das Bundeswirtschaftsministerium ab: Sorgen seien «nicht angebracht», erklärte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche laut Süddeutscher Zeitung. Am 31. Januar lag der bundesweite Durchschnitt der Speicherfüllstände nur noch bei 32,4 Prozent – mit fallender Tendenz.
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Besonders drastisch zeigt sich die Lage im niedersächsischen Rehden: Deutschlands grösster Gasspeicher war Ende Januar lediglich zu 10 Prozent gefüllt. Laut Betreiber Sefe spielt der Speicher, der ein Fünftel der deutschen Speicherkapazität umfasst, eine «zentrale Rolle für die Versorgungssicherheit Deutschlands und Europas».
Die Bundesnetzagentur bestätigte dem Focus, dass sich die Speicherstände «im Rahmen der marktlichen und wetterbedingten Erwartungen» entleerten. Auch Branchenverbände gaben sich gelassen und verweisen auf Importe von Flüssigerdgas (LNG), etwa aus den USA. Doch auch hier zeigen sich Schwachstellen: Die Niederlande, ein zentrales Transit- und Lieferland für Deutschland, verzeichnen aktuell selbst nur 28 Prozent Speicherfüllstand – und könnten im Ernstfall als Versorger ausfallen.
Unklar bleibt, inwieweit Deutschland künftig von LNG-Lieferungen aus Katar profitieren kann. Zwar hatte Robert Habeck bereits 2022 eine Energiepartnerschaft mit dem Golfstaat angekündigt, geliefert wurde bislang jedoch nichts. Laut «Tagesschau» sind ab 2026 zwei Millionen Tonnen jährlich vorgesehen – bisher existieren aber nur Absichtserklärungen und Workshops. Aktuell bezieht Deutschland laut Wirtschaftsministerium «kein LNG aus Katar».
Bei einem Besuch in Saudi-Arabien Anfang Februar verlagerte Wirtschaftsministerin Reiche den energiepolitischen Fokus auf die Einfuhr von grünem Ammoniak zur Wasserstoffproduktion, berichtet das Portal Apollo News.