Es ist zum wahren Volkssport geworden bei Medien und Politikern links der Mitte: Rückzug von der Plattform X mit einem letzten Beitrag, in dem gejammert wird, wie negativ sich diese seit der Übernahme durch Elon Musk verändert habe.
Der Vorwurf: Man finde dort nur noch rechtsextreme Parolen, Putin-Versteher und Klimawandel-Leugner, zudem sei die Diskussionskultur verroht. Jüngst liess die Süddeutsche Zeitung ihr X-Konto mit solchen Argumenten verwaisen, viele waren ihr vorausgegangen.
Peter Schneider/Keystone
Die Klagen der Empörten und schnell Beleidigten halten einer näheren Überprüfung nicht stand. Auf X tummeln sich nach wie vor Exponenten aller Pole, nur werden rechte oder staatskritische Positionen unter Elon Musk nicht mehr gelöscht, zensiert oder ausgeblendet. Auf X herrscht nun wahre Meinungsfreiheit, was deren angeblichen Verteidigern nicht passt, weil darunter eben auch andere Meinungen fallen.
Da wirkt es schon fast sympathisch, dass Bundesrat Beat Jans auf einen solchen dramatischen Abgang verzichtet. Auf seinem Profil ist seit kurzem lediglich zu lesen: «Dieses Konto wird nicht mehr aktiv bewirtschaftet.»
Überaus aktiv war Jans auf X allerdings nie. Sein letzter Beitrag datiert vom Januar in Form einer Beileidbekundung an die Opfer von Crans-Montana. Mit rund 6500 Followern war seine Gefolgschaft auch eher bescheiden.
Ähnlich sieht es bei seiner Amtskollegin Karin Keller-Sutter aus. Sie bediente zuletzt über 14.000 Follower, nun heisst es bei ihr: «Dieses Konto ist nicht mehr aktiv.» Ihre letzte Tat war der Dank an alle Begleiter während ihres Präsidialjahres am 31. Dezember 2025.
Wenn man schon auf einen Kanal zur Informationsverbreitung verzichtet, dann bitte so: unaufgeregt und ohne Geflenne. X ist schliesslich kein Flughafen. Niemand muss seinen Abflug per Lautsprecher durchgeben.