Die Entscheidung der AfD, ihren Bundesparteitag am 3. und 4. Juli in Erfurt abzuhalten, hat bei der politischen Konkurrenz und Historikern eine Welle der Entrüstung ausgelöst, berichtet das Portal Apollo News. Hintergrund der Kritik ist eine auffällige zeitliche und örtliche Übereinstimmung: Vor genau einhundert Jahren, im Juli 1926, hielt die NSDAP in Weimar – ebenfalls in Thüringen – einen wegweisenden Parteitag ab. Während die AfD die Standortwahl als normalen organisatorischen Vorgang verteidigt, wittern SPD und CDU eine gezielte Provokation und eine bewusste Anspielung auf die nationalsozialistische Geschichte.
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Serap Güler (CDU), Staatsministerin im Auswärtigen Amt, bezeichnete die Parallele als «bewusst gewählt» und kritisierte den mangelnden Respekt der Partei vor der deutschen Geschichte. Auch SPD-Politiker Rolf Mützenich warf der AfD vor, gezielte Provokationen zu nutzen, um Aufmerksamkeit zu erregen; ein historischer Zufall sei angesichts der Symbolik ausgeschlossen.
Wissenschaftler wie Jörg Ganzenmüller vom Hannah-Arendt-Institut stützen diese Sichtweise und sprechen von einem Signal an die rechtsextreme Szene, während nach aussen die «Fassade der Bürgerlichkeit» gewahrt werde. Für Stephan Zänker vom Verein Weimarer Republik ist die «fatale Parallele» ein Grund zur Sorge, da das Treffen von 1926 als entscheidender Moment für den Aufstieg des Nationalsozialismus gilt.
Die AfD Thüringen weist die Vorwürfe als «zwanghafte Instrumentalisierung der Geschichte» scharf zurück.