Das politische Berlin redet viel vom Vertrauensbruch am Wähler, von gebrochenen Versprechen. Der Bundeskanzler marschiert da wacker voran. Aber auch die Glaubwürdigkeit anderer Politiker und Parteien steckt im lichtlosen Tiefparterre.
Nun scheint auch der einzige Lichtblick im politischen Berlin ins Souterrain aufzubrechen: die AfD.
Ihre Bundestagsfraktion hat sich soeben einen Verhaltenskodex gegeben: die Zähne gezogen, die Krallen gestutzt.
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Die Absicht ist klar: Seriös will man sein, regierungstauglich. So wie andere europäische Schwesterparteien: Von den Schweden-Demokraten bis zu Giorgia Melonis italienischen Fratelli – kaum an der Regierung, passten sie sich an den Mainstream an wie das Chamäleon ans Blatt.
Die Frage ist nur, ob das auch der Wähler goutiert. Ein grosser Teil der Attraktivität der AfD beruht darauf, dass sie anders ist – forsch, klar und, ja, auch aggressiv. Viele AfD-Wähler würden nie zur CDU wechseln, weil sie immer das Original der blassen Kopie vorziehen.
Was aber, wenn das Original seine Kopie kopiert?
Dann sucht der Wähler sich ein neues Original.