Ein Bericht der Bundeswehr zeigt, dass das deutsche Gesundheitswesen im Kriegsfall derzeit nicht krisenfest wäre. Das Dokument wurde von 200 Experten, darunter Militärs, Ärzte und Krisenplaner, erarbeitet. Dies berichtet die Bild-Zeitung.
Demnach könnten im schlimmsten Fall bis zu tausend verletzte Soldaten pro Tag in deutschen Kliniken ankommen – zusätzlich zu zivilen Opfern. Die Autoren warnen vor einer «starken physischen und psychosozialen Belastung» des medizinischen Personals. Medikamente, Blutkonserven und Verbandsmaterial würden schnell knapp, Lieferketten zusammenbrechen, Zuständigkeiten seien unklar. Auch gezielte Angriffe auf Krankenhäuser und medizinisches Personal seien im Ernstfall nicht auszuschliessen.
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Die Experten fordern umfassende Reformen: Krankenhäuser, Apotheken und Hersteller müssten besser geschützt werden, Behandlungsräume in Kellern oder unterirdischen Anlagen eingerichtet werden. Medizinstudenten sollen künftig auch im Umgang mit Kriegsverletzungen geschult werden, und der Bürokratieabbau in Kliniken könnte laut Bericht die Versorgung um bis zu 25 Prozent verbessern.
Zudem empfehlen die Fachleute, die Produktion kriegswichtiger Medikamente wie Antibiotika oder Anästhetika wieder in die EU zu verlagern und strategische Reserven anzulegen. Blutkonserven aus dem Ausland sollen im Notfall zugelassen werden, und ein zentrales «Lagebild Gesundheit» müsse den Überblick über verfügbare Ärzte, Ressourcen und Klinikplätze sichern.