Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat vor einer möglichen Unterwanderung linksextremer Gruppen durch ausländische Geheimdienste gewarnt. Im Gespräch mit der Welt am Sonntag erklärte Dobrindt, es sei Ziel einer neuen Strategie gegen hybride Bedrohungen, zu klären, ob Staaten wie Russland linksextreme oder anarchistische Strukturen in Deutschland für Spionage oder Sabotage instrumentalisieren.
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Konkret sprach der Minister von «Low-Level-Agents» – Personen, die von fremden Diensten angesprochen oder erpresst werden könnten, um Anschläge auszuführen. Belege für eine solche Zusammenarbeit liegen derzeit zwar nicht vor, doch Dobrindt sieht Anlass zur Sorge: Linksextreme Gruppen übernähmen zunehmend russische Narrative, insbesondere im Kontext des Ukraine-Kriegs.
Die Warnung des Innenministers fällt in eine Zeit, in der sich in Deutschland Sabotageakte häufen, zu denen sich linksextreme Gruppen bekannt haben. So kam es 2022 zur Lahmlegung des Bahnverkehrs im Norden durch beschädigte Glasfaserkabel. 2024 wurde bei der Tesla-Gigafactory ein Hochspannungsmast in Brand gesetzt. Und im September 2025 führten Angriffe auf Strommasten in Berlin zu grossflächigen Stromausfällen – 31.000 Haushalte waren betroffen. Ein Bekennerschreiben tauchte auf der linksextremen Plattform Indymedia auf.
Um auf die Bedrohungslage zu reagieren, plant das Innenministerium die Einrichtung eines eigenen Stabs für hybride Bedrohungen. Dieser soll systematisch Vorfälle analysieren, Muster erkennen und Täterstrukturen aufdecken. Dobrindt betont: «Die Gefährdungslage ist weiterhin abstrakt, doch ein Gesamtbild fehlt bislang.»