Der europäische Gaspreis ist im Januar stark gestiegen. Eine Megawattstunde kostete zuletzt rund 42 Euro – das sind 36 Prozent mehr als zu Monatsbeginn. Als ein Grund gelten laut Focus geringere Lieferungen aus den USA: Wegen extremer Kälte wird dort mehr Flüssiggas im eigenen Land verbraucht, weniger gelangt nach Europa.
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Gleichzeitig sinken die Füllstände der deutschen Gasspeicher schneller als erwartet. Ende Januar lag der bundesweite Wert bei nur noch 34 Prozent – ein Niveau, das zuletzt im Winter 2022 erreicht wurde, als der Ausfall russischer Gaslieferungen nach Kriegsbeginn in der Ukraine zu Engpässen führte.
Der Verband der Gas- und Wasserstoffwirtschaft schlägt Alarm: «Leere Gasspeicher sind wie eine Versicherung ohne Deckung», warnte Verbandschef Timm Kehler gegenüber Bild. Die Speicher seien für kalte Winter unerlässlich, trotz neuer LNG-Importkapazitäten etwa aus den USA oder Norwegen. Im Vergleich dazu lag der Füllstand Ende Januar 2025 noch bei 58 Prozent, 2024 sogar bei 76 Prozent.
Energieökonom Andreas Löschel rechnet vor, dass die derzeitige Nutzung der LNG-Terminals bei rund 60 Prozent liegt. Sollte es kälter werden, müssten sie nahezu voll ausgelastet betrieben werden, um ein Absinken der Speicherstände auf ein kritisches Niveau von 10 Prozent zu verhindern. Auch Klaus Müller von der Bundesnetzagentur mahnt zur Vorbereitung auf den Winter 2026/2027: «Deutschland wird mit niedrigen Füllständen aus diesem Winter gehen». Für Anfang Februar prognostizieren Wetterdienste nächtliche Tiefstwerte bis zu minus zehn Grad, was die Heiznachfrage weiter antreiben dürfte.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht hingegen keinen akuten Handlungsbedarf. Auf einer Reise in Saudi-Arabien erklärte sie laut Zeit online: «Sorgen sind nicht angebracht.» Die Versorgung sei abgesichert durch Möglichkeiten zum Import von Flüssiggas. Die Ministerin verweist auf die hohe Importkapazität der LNG-Terminals und das kontinuierliche Monitoring der Situation. Man beobachte die Lage täglich, versicherte Reiche. Ihrer Einschätzung nach sei Deutschland trotz winterlicher Kältewelle gut aufgestellt: «Ich bin überzeugt, dass das Land gut durch den Winter kommt.»