Während Deutschland – wie zuletzt in mit der Sprengung in Gundremmingen – seine letzten Atomkraftwerke vom Netz genommen hat, investieren die Vereinigten Staaten wieder massiv in Nuklearenergie. Mindestens 80 Milliarden US-Dollar will Washington laut einer am Dienstag unterzeichneten Vereinbarung in neue Atomreaktoren stecken. Die Energie soll vor allem den wachsenden Strombedarf durch Rechenzentren für künstliche Intelligenz decken.
Die strategische Partnerschaft wurde am Rande eines Japan-Besuchs von US-Präsident Donald Trump mit den Unternehmen Westinghouse, Cameco und einem privaten Finanzkonsortium geschlossen. Westinghouse liefert laut Mitteilung die Reaktortechnologie, Cameco die Uran-Brennstäbe. Die neuen Reaktoren sollen «die industrielle Basis der Kernenergie wiederbeleben», heisst es in einer Erklärung.
Konkrete Angaben zur Anzahl neuer Meiler machten die Partner zunächst nicht. Ziel sei, die US-Produktion von Atomstrom innerhalb von 25 Jahren zu vervierfachen – durch schnellere Genehmigungen und weniger regulatorische Hürden. Bereits Ende Mai hatte Präsident Trump vier Dekrete für den Bau neuer Anlagen unterzeichnet.
Parallel dazu setzen US-Techkonzerne verstärkt auf Atomstrom. Google etwa will einen abgeschalteten Meiler im Bundesstaat Iowa reaktivieren: Das Kraftwerk Duane Arnold soll ab 2029 Energie für KI-Anwendungen liefern. Die Wiederinbetriebnahme kostet nach US-Medienberichten über 1,6 Milliarden Dollar.
Duane Arnold ist bereits das dritte US-AKW, das im Zeichen des KI-Booms wieder hochgefahren werden soll – nach Palisades (Michigan) und Three Mile Island (Pennsylvania).
Auch Amazon investiert in sogenannte Small Modular Reactors (SMR). Google plant zusätzlich den Bau von drei neuen Reaktoren dieser Bauart. Meta, der Mutterkonzern von Facebook und Instagram, kombiniert seine Energieversorgung: Am Montag beauftragte Meta den Bau eines Solarparks mit 600 Megawatt in Texas und kündigte zugleich an, Atomstrom aus dem AKW Clinton in Illinois zu beziehen.