Sollten die Temperaturen im März und April nur um zwei Grad unter dem Durchschnitt der letzten Jahre liegen, könnten Deutschlands Gasspeicher bis Ende April vollständig entleert sein. Das zeigt eine aktuelle Modellrechnung des Branchenverbands Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW), wie das Portal Apollo News berichtet.
©The Columbian
Konkret warnt das DVGW-Tool: Bei einem um zwei Grad kälteren Frühjahr sei ein rechnerischer Leerstand der Gasspeicher für den 28. April zu erwarten. Doch der eigentliche Engpass würde deutlich früher einsetzen. Bereits bei der Erwartung eines Mangels würden die Preise am Terminmarkt massiv steigen – energieintensive Unternehmen könnten gezwungen sein, die Produktion zu drosseln oder ganz einzustellen. Spätestens bei Ausrufung der Notfallstufe durch die Bundesregierung könnte die Bundesnetzagentur industrielle Verbraucher abschalten, um Haushalte und kritische Infrastruktur zu versorgen.
Dabei verschärft sich die Lage regional ungleich. Gasspeicher im Süden – etwa in Bayern – hätten das angestrebte Füllniveau von 40 Prozent zum 1. Februar klar verfehlt. Gleichzeitig verweist das Wirtschaftsministerium darauf, dass regionale Unterschiede keine Rolle spielten – eine Einschätzung, die von Experten kritisch gesehen wird.
Zudem erschwert der technische Aufbau der Speicher die Situation: Bereits vor dem rechnerischen Nullpunkt sinkt die Ausspeiseleistung deutlich – eine vollständige Entleerung ist also nicht nur kritisch, sondern auch komplex. In besonders kalten Szenarien mit nur 5 Prozent mehr Verbrauch könne der Gesamtfüllstand bereits am 3. April auf 0 Prozent sinken.
Auch international drohen Engpässe: Die Niederlande, zweitwichtigster Gaslieferant nach Norwegen, haben laut «Gas Infrastructure Europe» landesweit bereits weniger als 20 Prozent Füllstand. Sollte aus Rotterdam weniger LNG weitergeleitet werden, könnte sich der Rückgang der Speicherstände in Deutschland weiter beschleunigen.