Die Bundesnetzagentur schlägt Alarm: Um die Stromversorgung in Deutschland auch bei Dunkelflauten abzusichern, müssten innerhalb von nur zehn Jahren mindestens 71 neue Gaskraftwerke gebaut werden. Das geht aus dem neuen Bericht zur Versorgungssicherheit hervor, den das Bundeskabinett Anfang September verabschiedet hat. Grund ist die unstete Produktion von Wind- und Solarstrom – und das Verfehlen zentraler Energiewende-Ziele, berichtet die Zeitung Die Welt.
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Der neue Bedarf liegt deutlich über früheren Prognosen. Noch 2023 war man von 21 Gigawatt zusätzlicher Leistung bis 2030 ausgegangen. Nun rechnet die Bundesnetzagentur mit 35,5 Gigawatt bis 2035. Das entspräche der Leistung von 71 Anlagen à 500 Megawatt. Kostenpunkt: bis zu 800 Millionen Euro pro Kraftwerk.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will nun rasch Fördermittel ausschreiben – jedoch nur, wenn Brüssel entsprechende Subventionen genehmigt. Bislang ist das offen. Ihr Vorstoss wird insbesondere von den Grünen scharf kritisiert. Deren Fraktionsvorsitzende Katherina Dröge sprach von einer Politik, die «unsere Zukunft verbrennt» und kündigte einen «Herbst des Klimawiderstandes» an.
Dabei folgt Reiche lediglich den Bemühungen ihres Vorgängers Robert Habeck (Grüne), der bereits in Brüssel um Unterstützung für fossile Back-up-Kraftwerke geworben hatte. Ohne Erfolg. Die Hoffnung, Batterien oder flexible Verbraucher könnten Gaskraftwerke ersetzen, bezeichnet die Bundesnetzagentur im Bericht als unrealistisch: «Flexibilitäten» seien nötig, aber kein Ersatz für steuerbare Kraftwerke.
Angesichts der offenen Subventionsfrage und stockender Wasserstoffproduktion steht nun sogar die Laufzeitverlängerung für Kohlekraftwerke wieder im Raum.