Die deutsche Mannschaft wird bei der Eröffnungsfeier der Paralympischen Spiele nicht am traditionellen Einmarsch der Nationen teilnehmen. Das teilte der Deutsche Behindertensportverband (DBS) mit. Hintergrund ist die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), Sportler aus Russland und Belarus über Wildcards zu den Spielen zuzulassen.
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Wildcards dienen dazu, Sportlern oder Mannschaften, die den Qualifizierungsregeln nicht genügen, dennoch die Teilnahme zu ermöglichen.
Der Verband erklärte, man wolle mit dem Schritt «eine solidarische Haltung gegenüber der ukrainischen Delegation respektvoll zum Ausdruck bringen». Deutschland werde deshalb auf den Einzug der Nationen bei der Zeremonie am Freitag verzichten.
An den sogenannten Pre-Recordings, also vorab aufgezeichneten Einspielern für die Eröffnungsfeier, nimmt das Team Deutschland dennoch teil. «Damit verbindet das Team sportliche Fokussierung mit einer eindeutig wertebasierten Position», erklärte der DBS.
Auch Vertreter der Bundesregierung wollen der Eröffnungsfeier fernbleiben. Sportstaatsministerin Christiane Schenderlein werde nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Ein Sprecher ihres Ministeriums erklärte, die Zulassung russischer und belarussischer Athleten unter eigener Flagge weiche «von der Linie des Internationalen Olympischen Komitees ab, hinter die sich die Bundesregierung gestellt hat».
Der DBS verwies zudem darauf, dass weder ein Beschluss der IPC-Generalversammlung aus dem September 2025 noch ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs CAS eine Verpflichtung enthalte, Startplätze an Russland oder Belarus zu vergeben.
Parallel zur Entscheidung über die Wildcards verweigerte das IPC auch die Genehmigung für eine ursprünglich geplante Teamkleidung der Ukraine. Die Jacken zeigten eine Landkarte der Ukraine in den Grenzen von 1991 einschliesslich der Krim und weiterer von Russland kontrollierter Gebiete.
Neben Deutschland haben auch mehrere andere Länder angekündigt, den Einmarsch der Nationen zu boykottieren, darunter Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, die Niederlande und Tschechien.