Der deutsche EU-Abgeordnete Daniel Freund (Grüne) warnt vor schwerwiegenden Folgen für die Europäische Union im Falle eines erneuten Wahlsiegs des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. «Wenn Orbán gewinnt, verfestigt sich der autoritäre und antieuropäische Block in der EU weiter», sagte Freund der Frankfurter Rundschau. Die Wahl in Ungarn habe «eine aussergewöhnlich hohe Bedeutung für die Weltpolitik und die internationale Ordnung».
Freund befürchtet, ein Fidesz-Erfolg könne eine Kettenreaktion auslösen: Sollte in Polen 2027 erneut die PiS-Partei siegen und Frankreich an den Rassemblement National fallen, sei die EU «existenziell bedroht». Orbán sei der «Posterboy der Illiberalen und der Maga-Bewegung in Europa». Ein Sieg der oppositionellen Tisza-Partei um Péter Magyar hingegen wäre für Freund ein «Riesensymbol» gegen Autoritarismus.
Laut jüngsten Umfragen liegt Tisza mit 47 Prozent vor Fidesz mit 38 Prozent. Dennoch bleibe Orbáns Einfluss in Brüssel gross, so Freund. Grund dafür sei das Einstimmigkeitsprinzip in aussen- und sicherheitspolitischen Fragen. Das sei ein «Konstruktionsfehler der EU», sagte er.
Die Tisza-Partei, einst aus dem Fidesz-Umfeld hervorgegangen, zeigt sich laut Beobachtern bei gesellschaftspolitischen Themen zurückhaltend. Jüngst geriet sie in Konflikt mit der Europäischen Volkspartei (EVP), nachdem ihre Abgeordneten einer Abstimmung über Ursula von der Leyen fernblieben.