Als die Mauer fiel, war ich Bürochef der Deutschen Presse-Agentur in Moskau. Falsche Zeit, falscher Ort für einen Journalisten. Ich machte das Beste draus und ging tags darauf auf die Strasse, um Leute zu dem Ereignis zu befragen – das vom sowjetischen Staats-TV am Abend zuvor übertragen worden war. Um es kurz zu machen: Kein einziger Passant äusserte Bedenken, Zweifel, Befürchtungen. Alle gratulierten, und einer nahm Willy Brandt vorweg: Es wächst zusammen, was zusammengehört. Und der Krieg? Die Toten, das Leid, das Elend? Ach, hört doch auf. Wir müssen nach vorne blicken, so der Tenor. Auf den Champs-Elysées oder am Trafalgar Square wären die Antworten wohl anders ausgefallen. ...