Eigentlich hätte er zur Brandkatastrophe in Crans-Montana nichts sagen brauchen. Aber der Zürcher FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann hatte leider nicht die Gnade, sich mit unhaltbaren Anschuldigungen zurückzuhalten. Die Gier nach Aufmerksamkeit war offenbar zu gross.
Was er an Vorwürfen gegen das Wallis aus dem Ärmel schüttelt, schlägt dem Fass aber definitiv den Boden aus. Zuerst polterte Portmann in den sozialen Medien Folgendes: «Was macht der Kanton Wallis eigentlich mit der jährlich wiederkehrenden Milliarde aus dem Finanzausgleich und den zusätzlichen Bundessubventionen? Wer weiss, vielleicht kommt noch der Zeitpunkt, wo man diesen Kanton unter nationale Aufsicht stellen muss.»
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Was macht der Kanton Wallis eigentlich mit der jährlich wiederkehrenden Milliarde aus dem Finanzausgleich und den zusätzlichen Bundessubventionen? Wer weiß; Vielleicht kommt noch der Zeitpunkt, wo man diesen Kanton unter nationale Aufsicht stellen muss 🤷♂️ .
— Hans-Peter Portmann (@HPPortmann) February 8, 2026
Als ihn die Oberwalliser Tageszeitung Walliser Bote (WB) mit seinen Aussagen konfrontiert, setzt er noch einen drauf. Selbstherrlich gibt er zur Antwort: Die Walliser Medien sollten nicht fragen, weshalb er diesen Tweet gepostet habe, sondern die Statistik all ihrer «lokalen Skandale» aufarbeiten, um die althergebrachte «Kumpanenpolitik» zu beenden, so Portmann.
Was für eine unqualifizierte, groteske Kritik. Es wäre gescheiter, der Zürcher hätte das Ergebnis der Strafuntersuchung abgewartet, statt alles nachzuplappern, was die Medien teils kolportierten.
Es ist ausserdem ein parteipolitisches Eigengoal. Die FDP stellt mit Nicolas Féraud in Crans-Montana den Gemeindepräsidenten, der in dieser Funktion die Durchsetzung der Brandschutzvorschriften verantwortet.
Statt die Skandalstatistik anderer Kantone aufzuarbeiten, sollte sich Portmann gescheiter mit derjenigen seines eigenen Heimatkantons beschäftigen. Als am 9. Mai 1985 im Hallenbad Buchholz in Uster die Decke einstürzte, was zu zwölf Toten und neunzehn Verletzten führte, hat auch keiner öffentlich verlangt, den Kanton Zürich unter Vormundschaft zu stellen, weil die Aufsichtsbehörden Korrosionsschäden an der Deckenaufhängung nicht bemerkt hatten.
Ganz zu schweigen vom Untergang der Swissair oder SAir Group, wo die entscheidenden Stellen mit Exponenten besetzt waren, welche der FDP nahestanden – und natürlich jüngst dem Untergang der Grossbank Crédit Suisse, die mit dem freisinnigen Milieu liiert war.
Wer also im Glashaus sitzt, sollte besser nicht die grosse Vorwurfskeule schwingen.