Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnt eindringlich vor Moskaus Verhalten im diplomatischen Ringen. In einem Interview mit der Financial Times sagte Selenskyj, beide Seiten brauchten einen Waffenstillstand – «aber wir brauchen keinen Pausenknopf, sondern das Ende des Krieges». Letzterer stehe «am Anfang vom Ende», Russlands Präsident Wladimir Putin versuche, über Annäherungen an Donald Trump Kiews Position zu schwächen. «Die Russen spielen Spiele», so Selenskyj.
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Putin sei «ein schlechter Schauspieler» und nicht vertrauenswürdig. Moskau nutze die Aussicht auf Verhandlungen, um Zeit zu gewinnen und seine Streitkräfte neu aufzubauen. Ohne verbindliche westliche Sicherheitsgarantien bestehe das Risiko, dass ein Waffenstillstand nur der Vorbereitung eines neuen Angriffs diene.
Selenskyj widersprach Putins Darstellung, Kiew wolle eine Feuerpause zur Neuaufstellung nutzen. Russland mobilisiere monatlich 40.000 Soldaten und verliere 35.000: «Eine Pause brauchen sie nicht weniger als wir». Laut ukrainischen Geheimdienstangaben hat Moskaus Vormarsch im Jahr 2025 durchschnittlich 167 Soldaten pro erobertem Kilometer gekostet.
Zugleich drängte Selenskyj auf einen konkreten EU-Beitritts-Termin, möglichst 2027. «Ich will ein Datum», sagte er und warnte davor, Moskau dürfe eine Mitgliedschaft nicht über Jahrzehnte blockieren.
Mit Blick auf Washington kritisierte er, der Druck auf Kiew zu Konzessionen sei grösser als jener auf Moskau. Entscheidend sei, Russlands «Schattenflotte», Energieexporte und Sanktionsumgehungen konsequent zu unterbinden. «Ich hoffe, Präsident Trump wird Russland unter Druck setzen und Putin stoppen.»
Ein Waffenstillstand ohne harte Garantien berge «grosse Risiken». Selenskyjs Fazit: «Der Krieg könnte wieder beginnen. Wir brauchen keinen Stillstand. Wir brauchen Frieden.»