Zuerst liess er sich in einem Porträt als grosser Favorit für die Nachfolge von Thierry Burkart abfeiern. Seine eigene Partei liess er bis fünf Tage vor Anmeldefrist zur Hinterlegung einer Kandidatur im Glauben, das FDP-Präsidium reize ihn. Und jetzt sagt er in einem Interview mit der Luzerner Zeitung: «Ende Sommersession war für mich eigentlich klar: Ich kandidiere nicht.» Ihm sei bewusst geworden: Wenn er FDP-Präsident werde, müsse er aus Respekt vor dieser Aufgabe seine anderen Mandate aufgeben. Das kommt jetzt etwas überraschend.
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Natürlich muss man Müllers Entscheid respektieren. Man fragt sich einfach, warum er nicht sofort allen reinen Wein eingeschenkt hat. Wieso liess er durchblicken, der Job des Parteipräsidenten interessiere ihn? Wollte er nur ein bisschen Marketing in eigener Sache betreiben, sich ins Szene setzen für allfällige höhere politische Chargen?
Das Argument mit seinen Mandaten ist nicht wirklich überzeugend. Auch Thierry Burkart hatte etliche Mandate, als er das Präsidium der FDP übernahm. Zum Beispiel blieb er als Zentralpräsident des Nutzfahrzeugverbandes Astag im Amt, obwohl man ihn deswegen kritisierte. Aber eben, Müller ist nicht Burkart. Dem Luzerner fehlt das Rüstzeug und ganz sicher auch die Härte für den politischen Nahkampf.
Der Luzerner erteilt lieber Lektionen aus sicherer Entfernung, wie auch jetzt wieder. So rät er im oben genannten Mediengespräch seinen Parteikollegen: «Tun ist das entscheidende Wort. Wartet nicht, bis jemand etwas tut, sondern macht.»
Während er selber abschleicht.