Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz hat die Absetzung der NDR-Moderatorin Julia Ruhs als folgenschweren Fehler kritisiert. Im Videointerview mit der Weltwoche bezeichnete er den Vorgang als symptomatisch für den Zustand des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) in Deutschland. «Ich glaube, das war der grösste Fehler, den der öffentlich-rechtliche Rundfunk bisher begangen hat», so Bolz. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR), der auch die «Tagesschau» produziert, stehe exemplarisch für eine mediale Entwicklung, in der abweichende Meinungen kaum noch Platz fänden.
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Die 31-jährige Ruhs, die mit ihrer Sendung «Klar» migrationspolitische Themen sachlich und undogmatisch behandelte, hätte laut Bolz ein willkommenes Aushängeschild für Meinungsvielfalt sein können: «Julia Ruhs wäre ein wunderbares Feigenblatt gewesen.» Stattdessen sei sie Opfer einer Cancel-Kultur geworden, die Bolz auf eine «fanatische, links-grüne Ausrichtung» im öffentlich-rechtlichen System zurückführt. «Dass man diese eine kleine, zarte Stimme, die mal etwas anders klingt als alles, was man sonst tagtäglich hört, rauswirft, zeigt, wie verzweifelt der ÖRR ist.» Auch Journalisten wüssten, «dass ihre Hegemonie zu Ende geht» – und versuchten nun, sich mit aller Kraft an der Deutungshoheit festzuklammern.
Bolz erkennt in diesen Entwicklungen Zeichen einer inneren Auflösung: «Man könnte optimistisch argumentieren, dass das Zeichen der Selbstauflösung sind. Und nur das macht wirklich Hoffnung.» Doch was folgt daraus? Lässt sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland überhaupt noch reformieren? Bolz: Eine Kurskorrektur sei unmöglich, die Anstalten seien unreformierbar. Sein Fazit: «Der ÖRR muss zerschlagen werden.»

