Es gibt solche Momente in der Geschichte eines Landes, wo plötzlich das Signum der Zeit sichtbar wird. Im wörtlichen Sinne: Stunden der Wahrheit.
Ein solcher Durchbruch der Erkenntnis zur Realität ereignete sich bei der Rede von Harald Martenstein am 13. Februar 2026 im Thalia-Theater in Hamburg. Sie könnte einen ähnlichen Aufklärungseffekt erzielen wie die berühmte Paulskirchenrede von Martin Walser 1998, als dieser die hohl gewordenen Rituale der zur Routine verkommenen deutschen Vergangenheitsbewältigung entlarvte.
Solche Reden, die die Sicht auf bestimmte Ereignisse für immer verändern, zeigen ihre Wirkung meist sofort: Sie stossen das Publikum derart vor den Kopf, dass man an den Gesichtern der Anwesenden ablesen kann, dass hier etwas Grundstürzendes passiert. In Hamburg, wo die Polit- und Kulturelite im Saale sass und wie begossene Pudel dreinschaute, konnte man dieses Demaskierungsdrama live erleben.
Nach dem Walser-Moment gibt es jetzt also auch diesen Martenstein-Moment. Der Publizist entlarvte die lächerliche und zugleich brandgefährliche AfD-Verbot-Debatte als das, was sie ist: als einen Angriff auf Grundgesetz und Demokratie. «Mit der Begründung ‹Rettung der Demokratie› kann man die Demokratie abschaffen», so Martenstein.
Es ist der verzweifelte Versuch der Konkurrenz, der die Felle davonschwimmen, einen Gegner auszuschalten. Das ist viel bequemer, als selbst etwas zu leisten und die offenkundigen Missstände anzupacken. Nach dem Motto: Wir können nicht, also verbieten wir. Easy-peasy.
Martenstein sprach das Offensichtliche aus, das das bundesrepublikanische Establishment in einer grandiosen Selbsttäuschung nicht wahrhaben will: Die AfD verbieten zu wollen ist absurd, weil die AfD eine vollkommen demokratische Partei auf dem Boden des Grundgesetzes ist. Und jeder Versuch, diese Partei zu verbieten, ist verfassungsfeindlich – um dieses Gaunerwort ihrer Gegner zu verwenden.