Lima – Er war ein Gigant der Weltliteratur, doch in seiner Heimat Peru hat MVL, wie Vargas Llosa hier genannt wird, vor allem auch politisch Spuren hinterlassen.
International bekannt wurde Vargas Llosa als Literat im Zuge des «Latino-Booms» der frühen 1970er Jahre, an der Seite des Kolumbianers Gabriel García Márquez, mit dem er damals eine sehr enge Freundschaft pflegte. 1976 kam es allerdings zum Bruch zwischen den beiden Nobelpreisträgern aus Südamerika, die sich seither aus dem Weg gingen.
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MVL schrieb insgesamt zwanzig Romane sowie zahlreiche Essays und Erzählungen. Literarisch wie auch politisch hatte er sich über die Jahre stark gewandelt. 1973 wandte er sich radikal von der Castro-Diktatur in Kuba ab, die er in jungen Jahren vehement unterstützt hatte. Nach dem grandiosen Scheitern sämtlicher sozialistischen Experimente in Lateinamerika wurde MVL zu einem Leitfigur eines radikalen Liberalismus im Geiste der Aufklärung.
Während seine frühen Romane fast ausschliesslich in Peru spielten, wagte sich MVL mit dem «Fest des Ziegenbocks» erstmals über die Landesgrenzen hinaus. Die Historienroman um das Ende des dominikanischen Tyrannen Rafael Trujillo wurde auf Anhieb zu einem Weltbestseller. Zu seinen Meisterwerken zählt auch «Der Traum des Kelten», eine Romanbiografie des irischen Nationalisten und Menschenrechtlers Roger Casement, der ihm den Nobelpreis eingebracht haben dürfte.
Das Privatleben von Vargas Llosa, der seine Tante und später seine Cousine heiratete, war stets von Skandalen und wilden Gerüchten umwoben. 2015 zog er im Alter von 79 Jahren in Madrid mit der bekannten Glamour-Reporterin Isabel Preysler zusammen, von der er sich 2022 offiziell trennte. Am Sonntag starb er im Kreise seiner Familie in Barranco, einem Mittelklasseviertel von Lima.