Israel und die USA rechtfertigen ihren jüngsten Angriff auf den Iran mit dem Ziel, das iranische Atomprogramm zerstören zu wollen. Diese Begründung ist inzwischen so häufig benutzt worden, dass sich bei manchen Beobachtern der Verdacht aufdrängt, es handle sich lediglich um ein Scheinargument, um einen regionalen Störenfried auszuschalten.
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Doch dieser Eindruck täuscht.
Der Iran hat über Jahrzehnte unbeirrt an seinem Nuklearprogramm festgehalten und sich trotz mancher Zugeständnisse in seinen Gesprächen mit den USA stets geweigert, die wichtigsten Elemente seines Programms preiszugeben. Dieses zähe Festhalten an der nuklearen Option ist nicht schwer zu erklären. Der Iran sieht sich als natürliche Hegemonialmacht in der Region – eine Position, die sich jedoch nur erreichen lässt, wenn man die Nuklearwaffen Israels durch eine ausreichend starke Gegenabschreckung neutralisieren kann.
Um dieses Ziel zu erreichen, hatte der Iran seit vielen Jahren ein geradezu meisterhaftes Täuschungsmanöver inszeniert. Einige öffentlich deklarierte nukleare Anlagen liess man international kontrollieren. Doch die Nuklearwaffenentwicklung vollzog sich in geheimen, von den Revolutionsgarden geleiteten Anlagen, die in keinem Abkommen auftauchten.
Vor allem die Europäer wollten es gar nicht so genau wissen, um keine harten Massnahmen gegen Teheran ergreifen zu müssen.
Als US-Präsident Trump vor einigen Jahren aus dem von seinem Amtsvorgänger Obama ausgehandelten Nuklearabkommen mit dem Iran ausstieg, hagelte es erwartungsgemäss weltweit Proteste. Allerdings hatte Trump schon damals auf das geheime nukleare Schattenprogramm des Iran hingewiesen. Nun will er es endgültig beenden. Viele Nachbarn des Iran wollen es auch.
Dr. Hans Rühle, Ministerialdirektor a. D., war im deutschen Verteidigungsministerium Leiter des Planungstabes, General Manager einer Nato-Agentur sowie Koordinator der Bundessicherheitsakademie.