Im Januar 2025 wurde der Influencer Joung Gustav zu einer Busse von 450 Franken verurteilt. Grund war eine Guerilla-Marketing-Aktion.
Der Produzent des Vitaminwassers Vyte hatte in Zürich mit einer Drohne 24.000 Franken in Zehnernoten abwerfen lassen und damit für ein mittleres Chaos gesorgt. Die Aktion, die er auf seinen Kanälen angekündigt hatte, wäre bewilligungspflichtig gewesen, wie es im Strafbefehl hiess.
Jasmin Karim, Weltwoche
Zu reden gegeben haben die Ideen von Joung Gustav aber schon weit früher. Immer wieder bastelte und zeigte er Fake-Videos. Mit grossem Erfolg.
Ein Blitz, der scheinbar in den «Prime Tower» einschlägt, wurde von rund einer Million Leute staunend verfolgt. Unzählige sahen, wie der US-Rapper Travis Scott entspannt durch das Open Air Frauenfeld flaniert, in der Hand eine Flasche Vyte. Es handelte sich um Joung Gustav in einer Maske.
Ein angeblicher Klimakleber auf der Hardbrücke, ein zahmes Murmeltier auf einer Zürcher Wiese: Dem Influencer gelang es immer wieder, das Publikum mit professionellen und aufwendigen Mitteln in die Irre zu führen – mit grossem Werbeeffekt für seine Produkte.
Am Ende jedes Videos erfuhr man, wo man dieses erhält: in der Migros. Auf Anfragen gab man sich dort unbeteiligt: Man habe mit den Videos nichts zu tun, so die Antwort des Detailhändlers.
Das mag technisch stimmen. Aber dass sich die Migros nicht gegen die Verwendung des Firmenlogos in viral gegangenen Videos wehrte, zeigt klar: Sie gab noch so gern ihre stille Zustimmung zu den erfolgreichen Werbemassnahmen, mit denen die Verkäufe angekurbelt wurden.
Dass Joung Gustavs Produkte nun aus den Migros-Regalen fliegen, wirkt vor diesem Hintergrund noch stossender. Nicht einmal ein Strafbefehl gegen den Produzenten hatte zu diesem Schritt geführt. Erst eine politisch unkorrekte Meinungsäusserung.