Nun hat die Polizei also ein Unterscheidungsmerkmal weniger. Natürlich: Frisur, Tattoos, Bart, Brille und Grössenangabe bleiben. Doch gestrichen wird ausgerechnet das offensichtlichste Signalement, das unsere ach so bunte Multikulti-Gesellschaft doch so attraktiv macht: die Hautfarbe.
Stattdessen sollen sich die Fahnder auf Merkmale wie «auffälliges Muttermal am rechten Ohrläppchen» verlassen. Viel Vergnügen bei der nächsten Grossfahndung am Hauptbahnhof.
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Im Ernst jetzt? Denn damit erreicht man genau das Gegenteil dessen, was beabsichtigt war: Unsicherheit steigt, Vorurteile nehmen nicht ab, sondern zu. Statt präziser Fahndung entsteht ein diffuses Misstrauen gegenüber allen, die irgendwie auffallen.
Und: Wer dunkelhäutig ist, könnte sogar noch häufiger kontrolliert werden. Denn nun fehlt nicht nur der Hinweis, wenn tatsächlich nach einem dunkelhäutigen Täter gesucht wird – er fehlt genauso, wenn nach einem hellhäutigen gefahndet wird.
Mit anderen Worten: Die Polizei hat weniger Klarheit – und dadurch entsteht ein Generalverdacht.
Am Ende wird die Fahndung zur Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen. Nur mit dem Unterschied: Man findet die Nadel erst, wenn sie sticht.