Nach einer herben Talfahrt hat der Bitcoin wieder rasant Boden gutgemacht und ist auf einen Rekord von über 110.000 Dollar geklettert. Das Kursziel von 120.000 macht die Runde, was Gründe hat.
Die Politik in aller Welt bleibt den Schulden zugewandt. Frankreich zeigt wenig Sparwillen, Deutschland hat seine Schuldenbremse ausgehebelt, und in den USA ist der Staatsausgabenkürzer Elon Musk abgetreten. Donald Trump hat grosszügige – nicht ausreichend gegenfinanzierte – Steuersenkungen durch den Kongress gebracht.
FERNANDO GUTIERREZ-JUAREZ / KEYSTONE
Trump hat gleichzeitig mit der Anordnung einer nationalen strategischen Bitcoin-Reserve Bitcoin salonfähig gemacht. Ein im Senat bewilligter Gesetzentwurf für Stablecoins hat mehr Rechtssicherheit für den Kryptomarkt geschaffen. Bereits 2024 wurde mit Bitcoin-ETFs den institutionellen Anlegern der Zugang zum Bitcoin-Markt eröffnet. Kryptowährungen sind zunehmend im US-Finanzmarkt etabliert.
Die grossen Zentralbanken haben zwar die offiziell gemessene Inflation unter Kontrolle gebracht. Ihre Glaubwürdigkeit bleibt hingegen lädiert. Die Bank von Japan kauft bis heute Staatsanleihen, und die EZB gibt sich schon wieder grosszügigen Zinssenkungen hin. Die US-amerikanische Fed ist zurückhaltend, aber nicht restriktiv.
Hohe Staatsschulden und Wertverlust der Währung waren immer eng miteinander verbunden. Wenn Politiker und Zentralbanker kein Vertrauen schaffen, setzt sich die Suche nach Alternativen fort. Lange hat das Gold von der Flucht aus den Weltleitwährungen profitiert, jetzt zieht Bitcoin nach.
Weil die Menge von Bitcoin kompromisslos beschränkt ist, kann es nicht politisch missbraucht werden. Solange die Politik nicht zur Besinnung kommt, wird sich – trotz grosser Schwankungen – der Aufstieg des Bitcoin zum besseren Geld fortsetzen.
Gunther Schnabl ist Direktor des Flossbach von Storch Research Institute und Professor an der Universität Leipzig.