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Demonstrationen im Iran: Warum das Regime dermassen brutal vorgeht – und seine Gewalt als göttlichen Auftrag weisswäscht

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Demonstrationen im Iran: Warum das Regime dermassen brutal vorgeht – und seine Gewalt als göttlichen Auftrag weisswäscht
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Die Repression endet nicht mit dem Tod – sie wird abgerechnet. Trauernde iranische Familien, deren Angehörige von Schergen des Regimes bei Demonstrationen erschossen wurden, mussten zu Beginn der Proteste (bei einem durchschnittlichen Monatsgehalt von umgerechnet rund 250 Dollar) mehrere Tausend Dollar zahlen, um die Leichen ihrer Lieben zu erhalten – als «Entschädigung» für das todbringende Projektil. Andernfalls landete der Leichnam im Massengrab.

UGC via AP
In this photo obtained by The Associated Press, Iranians attend an anti-government protest in Tehran, Iran, Thursday, Jan
UGC via AP

Später teilte die Teheraner Gerichtsmedizin zwar mit, die Toten würden entgegen früherer Praxis nun doch kostenfrei an die Familien übergeben. Aber das sogenannte Kugelgeld ergibt sich aus dem zynischen Selbstverständnis der Islamischen Republik als Gottesstaat. Sie begreift den Revolutionsführer nicht nur als absoluten Herrscher, sondern auch als Träger einer göttlichen Mission. Opposition gilt als Gotteslästerung – als Verrat an der göttlichen Ordnung. Im iranischen Strafrecht kann das Haft oder sogar die Todesstrafe bedeuten. Glaubensabweichung und Staatskritik werden systematisch gleichgesetzt.

Die exzessive Gewalt der vergangenen Tage ist deshalb Teil einer Ordnung, die Grausamkeit im Namen des Regimes nicht nur rechtfertigt, sondern als religiöse Pflicht ausgibt.

Das Regime unterscheidet nicht zwischen friedlichem Protest, legitimer Kritik und tatsächlicher Gewalt. Wer widerspricht, gilt rasch als «Feind Gottes», als Werkzeug ausländischer Mächte oder als moralisch verdorben. Harte Strafen werden von den Ayatollahs nicht als Unrecht, sondern als notwendige Verteidigung der Ordnung begründet.

Getragen wird dieses System von einem eng verflochtenen Machtapparat aus Justiz, Geheimdiensten, Polizei und vor allem den Islamischen Revolutionsgarden. Diese Kräfte sind nicht nur für die äussere Sicherheit zuständig, sondern vor allem für die innere Kontrolle. Sie schlagen Proteste nieder, überwachen die Bevölkerung, zensieren Medien und Internet – und profitieren politisch wie wirtschaftlich vom Status quo. Und sie handeln dabei mit gutem Gewissen: Denn sie erfüllen, so ihr Selbverständnis, einen göttlichen Auftrag.

Besonders sichtbar wird diese Unbarmherzigkeit bei landesweiten Protesten, wenn das Regime gezielt tödliche Gewalt einsetzt, Tausende verhaftet und Familien der Opfer zum Schweigen zwingt. Einschüchterung wirkt dabei kollektiv: Nicht nur Einzelne sollen bestraft werden, sondern ganze gesellschaftliche Gruppen. Angst ersetzt Zustimmung.

Die brutale Härte der Regime-Schergen gegenüber den Bürgern ist auch Ausdruck eines Systems, das weiss, dass es die Mehrheit der Gesellschaft längst verloren hat. Weil es sich nicht reformieren kann, ohne seine eigene Grundlage zu zerstören, bleibt ihm nur die Gewalt. Aber die Grausamkeit ist nicht bloss der Fehler des Systems – sie ist auch seine Konsequenz.

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