Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder warnt vor einem massiven Verlust von Vertrauen in den Staat angesichts der Probleme bei der Deutschen Bahn. «Das geht schon in eine demokratiegefährdende Richtung», sagte der CDU-Politiker, wie die Bild-Zeitung berichtet.
Schnieder begründet seine Kritik mit anhaltenden Verspätungen, maroden Anlagen und wachsender Unzufriedenheit der Bürger. Wenn der Staat grundlegende Aufgaben wie funktionierende Verkehrsnetze nicht mehr zuverlässig erfülle, drohe ein Vertrauensverlust. «Wir müssen zeigen, dass wir handlungsfähig sind», so der Minister.
KARL-JOSEF HILDENBRAND / KEYSTONE
Die Zahlen unterstreichen die Problemlage: Im vergangenen Jahr erreichten nur rund 60 Prozent der Fernzüge ihr Ziel pünktlich. Für 2026 setzt Schnieder ein Ziel von lediglich 70 Prozent – deutlich unter früheren Planungen der Bahn, die bis zu 80 Prozent anstrebten. Diese Vorgaben bezeichnet er als unrealistisch und spricht von einem «Wolkenkuckucksheim».
Auch aus dem Unternehmen selbst kommen gedämpfte Erwartungen. Bahnmanager verweisen auf eine überalterte und überlastete Infrastruktur, die kurzfristige Verbesserungen kaum zulasse. Selbst eine Stabilisierung der Pünktlichkeit gilt als ambitioniert, nicht zuletzt wegen zusätzlicher Belastungen durch Extremwetter.
Als Reaktion kündigt die Bahn mehrere Sofortprogramme an. Diese sollen vor allem Sauberkeit und Sicherheit an Bahnhöfen verbessern, den Komfort im Fernverkehr erhöhen und die Information der Fahrgäste bei Störungen optimieren. Die Massnahmen sind Teil einer Strategie des Verkehrsministeriums, die Kundenzufriedenheit kurzfristig zu steigern.