Nach zehn Jahren im Amt zieht Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker eine selbstkritische Bilanz. In einem Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger äussert sie Bedauern über ihre Aussage zur Silvesternacht 2015/2016. Damals hatte Reker geraten, Frauen sollten eine «Armlänge Abstand» zu Fremden halten – eine Formulierung, die ihr scharfe Kritik einbrachte, auch international.
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«Das würde ich nicht mehr aus einer städtischen Broschüre zitieren, das würde ich überhaupt nicht mehr sagen», so Reker rückblickend. Die Aussage sei so verstanden worden, als trage das Verhalten der Frauen Mitverantwortung für die Übergriffe. Das sei nie ihre Absicht gewesen. Ihre Worte seien falsch interpretiert und sie selbst als naiv dargestellt worden, was sie bereits 2016 als «unglücklich» eingestanden hatte.
Die parteilose Politikerin war kurz vor ihrer ersten Wahl 2015 Opfer eines rechtsextremen Messerangriffs geworden. In ihrer Amtszeit habe sie so viele Morddrohungen erhalten, dass sie «irgendwann aufgehört» habe, sie zu zählen.
Reker wird Ende Oktober 2025 aus dem Amt scheiden. Ihr Nachfolger wird der SPD-Politiker Torsten Burmester.